Mit einer neuen Programmzeitschrift will Bauer einen erfolgreichen Newcomer bremsen

Von Peter Turi

Zwei Jahre lang hatten die großen Zeitschriftenverlage damit zu tun, die neuen Bundesländer mit bunter Westware zu versorgen. Stagnierende Verkaufs zahlen und rückläufige Anzeigenerlöse in der alten Bundesrepublik töteten die Verlegerlust auf Experimente. Doch jetzt, mitten in der friedlichen Vorweihnachtszeit, bricht ein Pressekrieg los, wie ihn Westdeutschland seit Jahren nicht mehr gesehen hat.

Am Nikolaustag holt der mächtige Heinrich Bauer Verlag die Rute aus dem Sack, um einen vorwitzigen Newcomer zu bestrafen. Die mittelständische Verlagsgruppe Milchstraße in Hamburg hatte es gewagt, mit ihrem TV-Spielfilm die festgefügte Ordnung der Programmzeitschriften gehörig durcheinanderzuwirbeln.

Das Imperium schlägt zurück: In Millionenauflage wirft Bauer seit Freitag sein TV-Movie auf den Markt. Eine etwas andere Programmzeitschrift soll es werden: Sie erscheint vierzehntägig, ist nicht für die ganze Familie, sondern für die Jüngeren gedacht, nicht alles und jedes wird gewürdigt, was über die Mattscheibe flimmert. Das neue Blatt ist vor allem einem Thema gewidmet, das Fernsehen im Zeitalter von Kabel und Satelliten erst richtig schön macht: dem Spielfilm.

Das Heft ist dem TV-Spielfilm nicht unähnlich. Die Verlagsgruppe Milchstaße (1991 rund hundert Millionen Mark Umsatz, 150 Mitarbeiter) ärgert mit dem spielfilmorientierten Programmheft seit rund einem Jahr die etablierten Verlage. Knapp eine Million Deutsche kaufen alle zwei Wochen das Blatt. Rund 800 Anzeigenseiten buchte die Werbewirtschaft bereits im ersten Jahr.

Geschickt hat TV-Spielfilm eine Marktlücke besetzt, die die Großverlage übersehen hatten: Programmzeitschriften, so lautete bis dahin die Faustregel, sind für die ganze Familie gemacht. Von der ehrenwerten Hörzu bis zum Aufsteiger Auf einen Blick. Sie alle bedienen ein breites Publikum von acht bis achtzig. gramm-König Springer, mit Hörzu, Funkuhr und Bildwoche im Segment gleich dreimal vertreten, ist in schlechter Verfassung. Ein Gewinneinbruch hat den Vorstandsvorsitzenden Günter Wille einen rigiden Sparkurs einschlagen lassen. Eine Anti-TV-Spielfilm wurde zwar erwogen, aber bislang nicht realisiert. Burda (Bild + Funk) und der Gong-Verlag (Gong, Die Zwei) sind mit ihrer gemeinsamen Ost-Neugründung Super-TV beschäftigt. Auch Gruner + Jahr hat genug mit neuen Objekten in Ostdeutschland zu tun.