Freya Stark ist eine geistreiche und mutige Frau: In den dreißiger Jahren dieses Jahrhunderts besuchte sie mehrmals Persien und setzte sich damit nicht nur über die Konventionen ihrer europäischen Heimat hinweg, sondern es gelang ihr mit viel Willenskraft, als Frau allein relativ unbehelligt durch ein moslemisches Land zu reisen. In ihrem Buch „Das Tal der Mörder“ (Reihe Frauen-Reisen, Edition Erdmann im K. Thienemanns Verlag, Stuttgart 1991; 400 Seiten, dreizehn Abbildungen, fünf Karten, 39,– DM) schildert sie spannend, wie sie durch Gewitztheit und Geduld mit ihren nicht immer vertrauensvoll wirkenden einheimischen Führern und Begleitern fertig wurde. Häufig mußte sie sich auch mit bestechlichen Beamten auseinandersetzen und stolze, wilde Bergbewohner davon überzeugen, daß sie, die Fremde, ein Recht habe, ihr Territorium zu durchqueren. Die erste Route führte die Autorin von Bagdad aus über die irakisch-iranische Grenze ins unruhige Luristan, wo der Schah gerade das Tragen der traditionellen Kleidung verboten hatte. Ziel einer weiteren Reise war das Tal der sagenhaften Assassinen, jener mörderischen Sekte, die in den Bergen nahe dem Kaspischen Meer lebte und auf grausame Weise das Land beherrschte. Freya Stark ritt durch Gegenden, die für Europäer gesperrt waren, lebte mit den Einheimischen und teilte deren Speisen oder gab ihnen von ihrem Vorrat ab. Ihre Neugier ist grenzenlos: Alles interessiert sie, seien es ihre Gastgeber und deren Lebensweise, seien es Gräber aus alter Zeit, in denen sie verborgene Goldschätze vermutet. Und, wie nebenbei, gelingt es ihr auch vorzüglich, dem Leser die Grandiosität der persischen Gebirgslandschaften zu veranschaulichen. Hella Leißner