Die japanische Pianistin, der Jazz, das Leben in Deutschland

Von Ulrich Stock

Wenn deutsche Leser den Namen dieser japanischen Künstlerin einmal laut vor sich hin sprechen, dann betonen sie automatisch die vorletzte Silbe und sagen Takase.

Die Künstlerin selber sagt Ta ka se. Sie betont die letzte Silbe und spricht den Namen so, als seien die Silben nicht verbunden, sondern durch einen schmalen Spalt getrennt.

So bleiben im Japanischen die Wortbausteine hörbar, während im Deutschen die Fugen sauber verputzt werden. Die mittlere Silbe verklebt Anfang und Ende und gibt dem Ganzen Melodie und Richtung.

Aki Takase weiß um den Zusammenhang zwischen Sprache und Musik. Noch als Klavierstudentin in Tokio, mit europäischer Klassik aufs beste vertraut, kapierte sie nicht die Bedeutung des Auftakts, etwa bei Beethoven. Erst hier in Deutschland merkte sie: der Auftakt ist das musikalische Äquivalent zum Artikel. Man sagt im Deutschen nicht: Da steht Klavier. Man sagt: Da steht ein Klavier. Im Japanischen gibt es keine Artikel.

Auch gibt es in der japanischen Musik keine Melodien im europäischen Sinne. „Die Pausen sind unsere Melodien“, sagt Aki Takase, und damit ist sie schon mittendrin.