Die das Leben der Union so mitspielt: Kaum hatte die größte Regierungsfraktion Wolfgang Schäuble an ihre Spitze gewählt und sich die Aussicht auf eigenen Glanz verschafft, gerät Helmut Kohls Regierungsmannschaft unter Druck – obwohl doch der Kanzler sich beim Schäuble-Revirement auf das Nötigste hatte beschränken wollen.

Staatsminister Lutz Stavenhagen, bei Lichte besehen nur einer von zu vielen Parlamentarischen Staatssekretären und kein Kabinettsmitglied, ist zurückgetreten, weil er der Kontrolle der Geheimdienste im Kanzleramt nicht wirkungsvoll nachgekommen war. Dies ist zwar die erste derartige Demission der gesamten Ära Kohl, aber der Fall wäre für sich genommen noch kein Erdbeben.

Doch weil es dabei nicht nur um relativ minore Petitessen und Peinlichkeiten im Fall Schalck-Golodkowski ging, sondern auch um die Waffenverschieberei nach Israel ohne politisches Attest, stellt sich nun zwangsläufig auch die Frage nach Verteidigungsminister Stoltenberg. Und der sitzt wirklich im Kabinett. Noch. R. L.