Für Martin Walser war er der „attraktivste Kollege“: „Er war nicht entgegenkommend oder freundlich, sondern abgründig interessant.“ Max Frisch. Gestorben am 4. April dieses Jahres. Die Zeitschrift du widmet ihm die Dezember-Nummer: ein gut komponiertes Heft mit exzellentem Photo teil. Bildlegenden dazu von Peter Bichsei: „Frisch hatte eine große Fähigkeit zur Freundschaft, ein übersprudelndes Talent zur Geselligkeit, aber gleichzeitig eine fast unüberwindbare Scheu davor. Nähe war ihm immer Wunsch und Schrecken zugleich ...“ Stille Sensation des Heftes: der Auszug aus dem Briefwechsel mit Uwe Johnson (1976/1977).

„Lieber Uwe“ und per Sie schrieb der Schweizer; der Deutsche schrieb aus Sheerness-on-Sea an der Themsemündung zurück: „Lieber Herr Frisch“. Eine Brieffreundschaft, ein Dauerthema: Wann sieht man sich einmal wieder? Sorgenvoll der Ältere, der den Geburtstag, „der mich zum Rentner deklariert“, gerade hinter sich (hat: „Beim letzten Besuch in Sheerness hatte ich für Augenblicke den bestürzenden Eindruck, Sie geben etwas auf, Sie trauen sich etwas nicht mehr zu; Sie richten sich gegen sich selbst. Vielleicht wagt es Ihnen niemand zu sagen: Das dürfen Sie nicht, Uwe, wir lieben Sie.“ Der Jüngere arbeitet am vierten, abschließenden Band der „Jahrestage“ und wähnt sich und seine Heldin Gesine Cresspahl bald am Ziel: „Lieber Herr Frisch, ich bedanke mich herzlich für Ihre Einladung. In unachtsamen Momenten ist die Versuchung groß, einfach loszufahren und eine Ferienzeit zu verbringen mit Gespräch, Spazier- und Müßiggang – without a care in the world. Aber ich habe noch jemanden in der Welt, für den muß ich zuerst sorgen, Mrs Cresspahl, die wird langsam ungeduldig in der Ecke, aus der herauszukommen sie doch selber zögert.“

Eine übersichtliche Chronik zum Leben von Max Frisch steht am Ende des Heftes. vhg