Mit einer Eigenmarke will sich der Stinnes-Reifendienst dem unbequemen Preisvergleich der Verbraucher entziehen, die telephonisch Preise für den gleichen Reifentyp bei mehreren Anbietern abrufen und beim billigsten kaufen. Beim "Power 2000" – so heißt das laut Stinnes-Vorstand Norbert Ring "hervorragende Produkt" – ist ein Vergleich nicht möglich, weil es diese Marke nur bei den 171 Stinnes-Niederlassungen gibt. Hersteller des Reifens ist ein "internationaler Konzern". In der Branche will man wissen, daß es sich dabei um Firestone handelt.

Nachdem Esso seine Eigenmarke aufgegeben hat, ist Stinnes der einzige Reifenhändler mit eigenem Label für Neureifen. "Power 2000" soll den rasanten Aufstieg des Unternehmens noch beschleunigen. Mit einem Umsatzzuwachs von mehr als zehn Prozent auf 513 Millionen Mark hat die Reifenkette 1991 ihre "führende Marktposition" ausgebaut.

Einst wollten sie gemeinsam gegen betrügerische Praktiken im Versicherungswesen kämpfen. Jetzt liegen sie sich in den Haaren: Heinz Gerlach, Herausgeber des gerlach-report und Hans Dieter Meyer, Geschäftsführer des Bundes der Versicherten. Gerlach wirft Meyer vor, in den neuen Bundesländern "brandgefährliche Empfehlungen" zu geben, weil er Verbraucher auffordere, Kapital-Lebensversicherungen zu kündigen, ohne eine vernünftige Alternative anzubieten. Meyer seinerseits meint, Gerlach kritisiere ihn möglicherweise, "weil er an die Versicherungsvermittler ran will". Was für Gerlach wiederum eine "billige Abwehrargumentation ist, wie wir sie sonst nur von Anlagehyänen gewohnt sind". Der Streit wird mittlerweile auch vor den Gerichten ausgetragen: Gegen zwei Behauptungen Gerlachs erwirkte Meyer einstweilige Verfügungen, nun erwägt er eine Klage.

Über der Heftigkeit der Auseinandersetzung scheint die eigentliche Frage vergessen zu werden: Wie sinnvoll sind Kapital-Lebensversicherungen? Seit der absehbaren Steuerfreiheit für Zinserträge von Kleinsparern steht für Gerlach fest, daß sie überhaupt nicht mehr wettbewerbsfähig sind. Eine Aussage, der sich Meyer wohl anschließen könnte.

Der ostdeutsche Gaspreiskrieg eskaliert weiter. Weil sich die Verbundnetz Gas Ag (VNG) beharrlich weigert, den von ihrem Lieferanten Wintershall Erdgas Handelshaus GmbH (WIEH) geforderten Preis zu bezahlen, hat Wintershall-Chef Herbert Detharding für 1992 einen Lieferstopp angedroht. Dazu hat die Ruhrgas – mit 35 Prozent des Kapitals Großaktionär von VNG – erklärt, sie könne diesen Ausfall nicht wettmachen.

In einer Presseerklärung fährt die VNG schweres Geschütz auf: "Es ist die BASF -Tochter Wintershall, die unter Ausnutzung ihrer Monopolposition Ostdeutschland in eine Versorgungskrise hineinstoßen würde, um eine Preisforderung durchzusetzen, die 20 bis 25 Prozent aber dem Marktpreis liegt." Wintershall hält dagegen, der geforderte Preis sei der Marktwert, und besteht auf Begleichung seiner Rechnungen. VNG ist mit 130 Millionen Mark im Rückstand, weil das ostdeutsche Verteilerunternehmen nur den Betrag überweist, den es selbst für angemessen hält.

Der von Wintershall geforderte Preis, so betont VNG erneut, sei für die ostdeutsche Wirtschaft untragbar und gefährde den wirtschaftlichen Aufschwung. Daß die Verbraucher in den neuen Ländern für jeden Liter Benzin und Diesel gut fünf Pfennig mehr bezahlen müssen als die Konsumenten im Westen der Republik gefährdet den Aufschwung offenbar nicht.