Heiliger Affe gestorben, telegraphiert die indische Nachrichtenagentur Uni aus Neu Delhi. Seit zehn Jahren sei das "ältere schwarze" Tier jeden Morgen um vier Uhr von seinem Baum gestiegen, habe vor dem Bagichi Rama Chandar Shiva Tempel seine Pfoten gefaltet, und lange gebetet. Nun sei es friedlich an Altersschwäche verschieden. Anschließend nach rituellem Hindu Brauch gewaschen, eingeäschert und von mindestens zwanzigtausend Menschen feierlich zu Wasser getragen (Jamuna, Nebenfluß des Ganges).

Das hätte er sicherlich gern erlebt, der Alexej Remisow, denn ihm waren solche Dinge — aber was heißt Dinge? heilige Tiere! — sehr vertraut. Glaube ich jedenfalls, nachdem ich sein Buch gelesen habe, "Gang auf Simsen". Und das einzige, was dieser "Erzählung" (so stehts drunter) vielleicht noch fehlen könnte, ist genau das: ein heiliger Affe, der jeden Morgen um vier Uhr von seinem Baum herabsteigt, die Pfoten faltet und in tiefes Gebet versinkt.

Remisow, Remisow — Remisow? Re, es wird, so hab ich gelernt, die erste Silbe betont, und die echten Slawisten (Slavisten) schreiben natürlich auch mizov, wobei sie sich sicherlich etwas denken. Alle denken sich ja bei allem immer irgend etwas — nur hinterher, da will niemand an irgend etwas dabei gedacht haben.

Ich suche also mein Literaturlexikon. Ziemlich peinlich, der sogenannte Kritiker sucht sein Literaturlexikon, vor allen Lesern, das braucht man natürlich nicht zu schreiben "Remizov, Aleksej Michailovic, 7. 7. 1877 Moskau - 26. 11. 1957 Paris; Vater Kaufmann; Handelsschule; Stud. Naturwiss. Moskau, als Sozialist von dort ins nordöstl. Rußland verbannt; 1905 in Petersburg; s erstes Buch erschien 1907; 1921 nach Berlin emigriert, ab 1923 in Paris "

Soviel dazu.

"Außerordentl fruchtbarer Erzähler [heißt: besinnungsloser Schwätzer], schrieb vor und nach der Revolution je etwa 30 Bücher; Romane, Erzählungen [versteht sich], Legenden, die z T mit Apokryphen, Sektiererschriften [Obacht!] und Volksmärchen verflochten sind; [jetzt kommts:] bes die Stücke aus der Emigrationszeit erschweren die Bestimmung der Gattung "

Die Bestimmung der Gattung ist erschwert — da haben wirs, das heißt, das haben wir aber gar nicht gerne. Da kann der Leser dann wieder gar nichts mit anfangen. Da bleibt der Leser dann wieder ganz hilflos zurück.