Röttenbach

Der Gemeinderat von Röttenbach, einem Ort mit 4300 Einwohnern, war in der Kabarett-Szene bisher eine unbekannte Größe. Das könnte sich ändern. Mit der Posse „Wie man einen Auftritt des Kabarettisten Sigi Zimmerschied verhindert“ haben die Röttenbacher gute Chancen, bundesweit auf sich aufmerksam zu machen. Vor drei Jahren war Sigi Zimmerschied, das Lästermaul aus Passau, schon einmal in Röttenbach aufgetreten. Damals hatte er so vom Leder gezogen, daß sich der katholische Geistliche veranlaßt sah, tags drauf einen Abbitte-Gottesdienst anzusetzen. Unter den Bußgängern befand sich auch Bürgermeister Karlheinz Seitz, was um so mehr Eindruck machte, als er den Zimmerschied gar nicht gehört hatte. Gleichwohl mußte ihn die Messe so aufgewühlt haben, daß er noch eine säkulare Bannbulle folgen ließ. Für alle Zeiten, so ließ er sich zusammen mit seinem Gemeinderat vernehmen, habe das Passauer Schandmaul in Röttenbach Auftrittsverbot.

Kein Wunder, daß der gute Karlheinz Seitz nun aufs höchste alarmiert war, als er hörte, daß die Röttenbacher SPD Sigi Zimmerschied eingeladen hatte. Sein neues Programm „Ausschwitz’n“ sollte der Passauer vorstellen, in dem so schön gezeigt wird, daß die urbayerische Bierdümpfel-Gemütlichkeit doch dann am lustigsten ist, wenn sie mit ein bißchen Faschismus versetzt ist.

Sofort berief Karlheinz Seitz eine Sondersitzung des Gemeinderates ein. Die Ratsherren waren erschüttert, und mit acht gegen fünf Stimmen votierten sie dafür, das Gastspiel zu verbieten. Bürgermeister Seitz aber breitete nun seinen ganzen politischen Trickreichtum aus. Könnte man nicht die für den 6. Dezember vorgesehene Bürgerversammlung auf den 10. Dezember, also auf den Zimmerschied-Abend verlegen und sie ausnahmsweise statt im Rathaus in eben jener Mehrzweckhalle des Sportvereins stattfinden lassen, die die SPD für ihr Kabarett angemietet hat? So dachte das Gemeindeoberhaupt, und so ward es beschlossen.

Ganz nebenbei wurde dem Sportverein bedeutet, man müsse sich die Zuschußfrage noch einmal überlegen, sollten die Sportler auf dem Auftritt Zimmerschieds bestehen. Im übrigen stünden auch die Stühle, die in der Mehrzweckhalle bei Großveranstaltungen immer gebraucht werden und die Gemeinde-Eigentum sind, an diesem Abend nicht zur Verfügung. Damit war die Kampagne „Wir halten unser Dorf sauber“ erst mal abgeschlossen. Offen aber bleibt, wie der Gemeinderat seinen Beschluß am 10. Dezember durchsetzen will.

Sigi Zimmerschied, der von seiner Heimatstadt Passau Kummer gewohnt ist, fiel zu dem Auftrittsverbot im Fränkischen erst mal gar nichts ein: „Mei, was soll i dazu sagn ...“ dbr