Hohe Gewinne, aber auch hohe Verluste: Nicht alle Anlageprofis hatten eine glückliche Hand

Von Udo Perina

Für manche Banken sind mündige Kleinsparer eine lästige Angelegenheit. Statt sich mit mickrigen Sparbuchzinsen abzufinden, kaufen sie Anleihen oder Aktien und wollen dabei auch noch beraten werden. Sie verstopfen mit "kleinvolumigen" Wertpapieraufträgen den Bankenapparat. Als erstes größeres Kreditinstitut hat jetzt die Dresdner Bank die Notbremse gezogen und Wertpapiergeschäfte für Kleinanleger so drastisch verteuert, daß sich für sie der direkte Kauf von Wertpapieren nicht mehr lohnt. Statt Aktien und Anleihen, so Sprecher der Bank, sollen sich diese Kunden Anteile von Investmentfonds ins Depot legen. Für sie sei das die "zweckmäßigste" und "erfolgreichste" Form der Teilnahme am Börsengeschehen.

Auch andere Kreditinstitute drängen ihre Kundschaft verstärkt in Fonds. In der Branche ist es eine beschlossene Sache, daß die neunziger Jahre zum Jahrzehnt der Investmentfonds werden sollen. Mit der Aufstockung des Personals in den Fondsgesellschaften und mit der Entwicklung neuer Fonds wird kräftig für den Boom gerüstet. Und immer mehr Vertreter, einige im direkten Auftrag der Banken, bieten am Telephon oder an der Haustüre Investmentzertifikate an.

Diese Offensive zwingt Sparer und Anleger, sich mit Investmentfonds auseinanderzusetzen. Eine Möglichkeit dazu bieten Performance-Analysen, die die Fonds miteinander vergleichen. Lange Zeit waren solche Vergleiche das Monopol der Fondsgesellschaften selbst. Doch inzwischen haben auch neutrale Stellen damit begonnen, die Leistung der Fonds aus der Sicht der Anleger unter die Lupe zu nehmen. Diese unbequeme Konkurrenz ist den Fondsunternehmern ein Dorn im Auge; sie versuchen, den unabhängigen Analysten die Arbeit zu erschweren.

Einer dieser Unabhängigen ist Thomas Vorwerk, Chef des Münchner Instituts Südprojekt. Im Gegensatz zu anderen Analysten testet er vor allem die aktuelle Leistungsfähigkeit der Fonds und liefert wichtige Anhaltspunkte für deren wahrscheinliche künftige Entwicklung. Private Anleger erhalten so Informationen, die bisher professionellen Großinvestoren vorbehalten waren. Basis ist eine gründliche Analyse der Fondsentwicklung in den zurückliegenden drei Jahren. Dabei wird nicht nur der genaue Ertrag (Performance) eines Fonds – unter Einbeziehung aller Gebühren und Spesen – ermittelt. Wichtig ist für Anleger auch, welchem Risiko ihr Geld ausgesetzt ist. Hierzu werden die Fonds erstens in drei Risikogruppen eingeteilt. Zweitens stellt Südprojekt fest, ob ein gutes Ergebnis souverän oder eher zufällig erzielt wurde. Auskunft darüber gibt der Anlegerstreßfaktor (siehe Tabelle).

Die Ergebnisse der ZEIT/Südprojekt-Analyse zeigen, daß die Dresdner Bank mit ihrem Loblied auf die Fonds nicht unbedingt falsch liegt. Einige Unternehmen kommen zu Ergebnissen, die ein Privatanleger nur mit viel Glück und bei wesentlich höherem Risiko hätte erzielen können. Aber längst nicht alle Fonds können sich sehen lassen. Gewinnen von fast siebzig Prozent stehen Verluste von fast dreißig Prozent gegenüber.