Über Honolulu ging die Sonne an diesem Morgen um 6.57 Uhr auf. Es war Sonntag, der 7. Dezember 1941. Der Tag versprach klar und sonnig zu werden, nur über den beiden Bergmassiven im Osten und Westen von Oahu ballten sich Wolken zusammen. Langsam erwachte die Insel zum Leben. In den Kantinen der Army-Kasernen und der fünf Fliegerhorste klapperten die ersten Frühstücksgeschirre, desgleichen in den Messen der 96 amerikanischen Kriegsschiffe, die in der Bucht von Pearl Harbor vor Anker lagen.

Die Bedienungsmannschaften der fünf über die Insel Oahu verteilten fahrbaren Radar-Stationen der Army packten zusammen. Ihr Dienst endete um 7.00 Uhr. Nur in der Station Opana an der nördlichen Steilküste richteten sich die Soldaten Joseph L. Lockard und George E. Elliot darauf ein, übungshalber noch weiterzumachen. Um 7.02 Uhr entdeckten sie einen blip auf dem Schirm, der größer war als alles, was sie je zuvor wahrgenommen hatten. Es sah aus wie „ein Schwarm von Flugzeugen, fünfzig oder mehr“, in 137 Meilen Entfernung, und näherte sich rasch.

Elliot rief das Luftwarn-Zentrum an. Der wachhabende Leutnant Kermit Tyler tat zum erstenmal Kontrolldienst und konnte mit der Meldung der Radarbeobachter nicht viel anfangen. Wahrscheinlich hatten die beiden in Opana auf ihrem Oszilloskop ein Geschwader B-17-Bomber erwischt, das an diesem Morgen aus Kalifornien ankommen sollte. „Macht euch mal keine Sorgen“, sagte Tyler und legte auf. „Forget it.“ Aus schierer Neugier verfolgten Elliott und Lockhard die Spur des fliegenden Verbandes auf ihrem Schirm weiter, bis sie sich im toten Winkel des Geräts und im Radarschatten der Berge verlor. Der Entfernungsmesser zeigte zwanzig, Meilen. Es war 7.39 Uhr.

Admiral Husband E. Kimmel, der Oberbefehlshaber der Pazifischen Flotte, hatte es am Samstagabend vorgezogen, eine Einladung des japanischen Generalkonsuls „auf ein Glas Champagner“ auszuschlagen, und war früh zu Bett gegangen. Am Sonntagmorgen stand er gegen 7.00 Uhr auf. Wie an jedem zweiten Wochenende war er auch heute mit seinem Army-Gegenüber Walter C. Short, dem Kommandierenden General des Wehrbezirks Hawaii, zum Golf verabredet. Kimmel war weder angezogen noch rasiert und hatte auch noch nicht gefrühstückt, als das Telephon klingelte. Der diensthabende Offizier des 14. Geschwaderkommandos meldete, der Zerstörer Ward habe um 6.53 Uhr ein unbekanntes U-Boot mit Wasserbomben angegriffen. „Ich komme sofort“, sagte Kimmel. Doch war er nicht überzeugt, daß an der Sache wirklich etwas war. „Wir hatten schon so oft falschen U-Boot-Alarm gehabt“, erklärte er später. „Ich dachte, ich warte erst einmal eine Bestätigung ab.“ Mittlerweile war es kurz vor 8.00 Uhr. Auf den Kriegsschiffen trugen die Quartiermeister die „Stars and Stripes“ nach achtern. Die Trompeter machten sich bereit zum morgendlichen Signal: Heißt Flagge!

Acht Uhr Honolulu-Zeit – das entsprach 13.30 Uhr Washingtoner Zeit. Die Morgenzeitungen berichteten über eine Rede, in der Senator Owen Brewster beteuerte: „Die US-Navy kann die japanische Flotte jederzeit und überall besiegen.“ Marineminister Knox stieß ins gleiche Horn: Die Navy sei jedwedem Rivalen überlegen, hatte er der New York Times für ihre Sonntagsausgabe anvertraut, Der Kongreß genehmigte sich guten Gewissens ein langes Wochenende.

Anders das Weiße Haus, das Kriegsministerium und das Außenministerium. Dort liefen die Telephondrähte heiß, und die Köpfe rauchten. Tags zuvor war die Meldung gekommen, daß eine japanische Armada in den Golf von Siam eingelaufen sei. Ein militärischer Vorstoß Japans schien unmittelbar bevorzustehen – gegen Singapur, Malaysia, Thailand, Niederländisch-Ostindien, Borneo, Burma, vielleicht die Philippinen. Die pazifischen Befehlshaber – Kimmel und Short in Hawaii, MacArthur in Manila – wurden verständigt.

Schon am 27. November hatten sie eine Warnung erhalten: Die seit dem Frühjahr laufenden amerikanisch-japanischen Verhandlungen seien praktisch zum Erliegen gekommen. „Künftiges japanisches Vorgehen unvorhersagbar, doch feindselige Handlungen jederzeit möglich.“ „Kriegswarnung“ stand gleich im ersten Satz, doch solle die Bevölkerung nicht beunruhigt werden.