Von Gunter Hofmann

Dienstag, 26. November

Gehämmerte, glasklare Sätze – aus der Tiefe der Erinnerung. „Das geteilte Deutschland – meine Damen und Herren, ich will Sie damit nicht belehren; Sie wissen das wahrscheinlich zum größten Teil selbst – kann nicht unheilbar miteinander verfeindete Christliche Demokraten und Sozialdemokraten ertragen. Ich danke Ihnen für Ihre Geduld.“

So klang die Rede Herbert Wehners am 30. Juni 1960 zur außenpolitischen Lage im Parlament aus, eine Rede, die als große Kurskorrektur der Opposition in der westdeutschen Parteiendemokratie gilt. Wehner, welch ein Redner! Beim Lesen wird wieder lebendig, was man ganz fern noch im Ohr hat. Das Werben und Locken, Grollen und Drohen. Wehner, einer der großen der Republik, hieß es seitdem.

„Speckseite!“ rief ein CDU-Abgeordneter dazwischen, als er Wehners Appell hörte, es dürfe nicht der Verdacht entstehen, die Parteien wollten keineswegs der Sache selbst dienen, sondern „sich ihrer bedienen“. Die SPD, beendete er mit einem Satz das erste parlamentarische Jahrzehnt der Nachkriegszeit, gehöre „geistig zum Westen“. Dann Wehners Finale: „Nicht Selbstzerfleischung, sondern Miteinanderwirken im Rahmen des demokratischen Ganzen, wenn auch in sachlicher innenpolitischer Gegnerschaft!“

Solche Reden, heißt es, taugten nicht mehr für unsere Zeit. Zu viel Pathos. Es gehe auch nicht mehr um grundsätzliche Weichenstellungen. Aber dramatischer als derzeit kann man sich die politischen Verhältnisse doch kaum vorstellen. Finden sie ihre angemessenen Redner?

Mittwoch, 27. November