Wie wild die Skisaison 91/92? Die seit Anfang November verschneite Bergwelt weckt zwar Optimismus bei Touristikern, Liftbesitzern, Pistenfans. Doch ob die weiße Pracht hält, weiß niemand.

Ohne Schnee läuft in den Wintersportorten wenig. Mit den häufig diskutierten Alternativen zum Pistensport läßt sich auf Dauer kein Skifahrer anlocken. Weil auf das himmlische Weiß schon seit Jahren kein Verlaß mehr ist, haben viele Bergdörfer die Schnee-Regie selbst in die Hand genommen. Alpenweit röhren seit Wochen die Schneekanonen und pusten maschinell produziertes Schneegestöber auf die Hänge. Die weiße Existenzgrundlage bestehe aus nichts anderem als reinem, klarem Wasser, Luft und Kälte, wird den Kunstschneegegnern gekontert.

Skifahren gerät immer mehr zum Prestigesport. Beim Einkaufsbummel stellt so mancher mode- und sicherheitsbewußte Wintersportler fest, daß die Preise für hochwertige Bretter und Skistiefel den üblichen Preisrahmen sprengen. Inzwischen gibt es eine Reihe von Spitzenski zwischen 800 und 1100 Mark, einige der Nobellatten kosten als limitierte Design-„Kunstwerke“ gar bis zu 1300 Mark. Wer so teuer einsteigt, braucht natürlich die im Design passende Bindung, Stöcke, Stiefel – durchgestylt bis zum Skisack.

Bei den Skineuheiten – es gibt auch preiswerte Modelle von 250 Mark an – fällt auf, daß kaum noch mit Geschwindigkeit geworben wird. Anstatt Tempo zählen Laufruhe und Fahrkomfort. Kein Wunder, die zahlungskräftige Klientel ist unter den betagteren Skifahrern zu finden. Für junge Familien dagegen wird Skifahren immer mehr zum unerschwinglichen Luxus. Jüngere Wintersportler sieht man immer häufiger auf Snowboards die Hänge hinunterbrausen.

Der neue Skianzug, soll warm sein, atmungsaktiv, wasser- und winddicht. Er soll aussehen wie edle Naturfaser, doch strapazierfähig sein wie ein Monteursoverall. Wolle oder Baumwolle haben in modischfunktioneller Sportlerkleidung nichts mehr zu suchen. Hautenge Keilhosen sind wieder in, bunt bedruckt oder uni, dazu trägt der trendbewußte Skihase Anoraks und Schneehemden mit vielen Taschen, Kapuzen, Nieten, Ösen. Der Vorteil der teuren Kombination: Man kann sie auch beim Stadtbummel, in der Disco oder zum Eislaufen tragen.

Das Thema Umweltschutz beschäftigt mittlerweile auch das Skifahrervolk. Wohin mit den ausrangierten Kunststoffskistiefeln der vergangenen Saison, den alten Ski? Vorbei sind die Zeiten, da man sie einfach neben die Mülltonne stellte. Noch immer sind Sportgeräte und Stiefel doppelt und dreifach verpackt. Zaghafte Ansätze, hier etwas zu ändern, gibt es bereits: Der deutsche Hersteller Lowa verpackt seine Skischuhe in Jutesäcken.

Die Mehrzahl der Skifahrer startet allerdings jahrelang mit derselben Ausrüstung in den Winterurlaub. Dagegen ist nichts einzuwenden. Doch so mancher sieht dann auf der Piste alt aus. Die Ski gleiten nicht, rutschen auf vereisten Stellen wegen ungeschliffener Kanten weg, die Bindung lösten beim Sturz nicht aus. Jedes Jahr vor Saisonbeginn appelliert der Deutsche Skiverband an die Skifahrer: „Jede zweite Bindung ist falsch eingestellt!“ Falsche Lagerung in feuchten Räumen oder der ungeschützte Transport auf dem Autodach können die Auslösewerte drastisch verändern, ebenso neue Skistiefel, deren Sohlenlänge von der alten um ein paar Millimeter abweicht. Die Bindung sollte ein Fachmann einstellen. Die Fachleute im Sportgeschäft reparieren auch für wenig Geld, was den meisten im Do-it-yourself-Verfahren zu mühsam ist: Kanten schleifen, Belag ausbessern, wachsen.