Zur Brust genommen

Natürlich, die Erörterung der Dinge des Lebens, dieses Ausloten all dessen, was die Welt im Innersten zusammenhält, ist etwas sehr Schönes. Einerseits. Andererseits, nimmt damit der Vorrat an Geheimnissen rapide ab. Wie kommt es zu den Löchern im Käse, was macht der Wind, wenn er nicht weht, alles irgendwie schon einer Klärung zugeführt. Insofern also Hut ab vor dem Kollegium der Ärzte-Zeitung! „Wie stillt frau eigentlich richtig?“ Eine unverbrauchte Frage, die das Blatt jetzt in den Raum stellt. Vieles nämlich ist selbstverständlich, und ist es doch wieder nicht. Gott sei Dank weiß die Ärzte-Zeitung Rat, sie verweist auf den Bund Deutscher Laktationsberater e.V. (BDL), diesbezüglich eine Anlaufstelle für einfühlsame und kompetente Beratung. „Innerhalb der traditionellen Großfamilie konnte sich nämlich die Schwangere noch bei der Großmutter und Mutter nach dem Wie und Wie oft erkundigen. In der heutigen Gesellschaft jedoch fühlen sich Frauen zu oft mit ihren Problemen allein gelassen. Diese Lücke will der Bund Deutscher Laktationsberater füllen.“ Wie der Ärzte-Zeitung weiter zu entnehmen ist, erhalten die Stillberater ihre Ausbildung, „zu der keineswegs nur Frauen zugelassen sind, durch Schulungen und Seminare, die in Europa unter der Schirmherrschaft des Verbandes der Europäischen Laktationsberater (VELB) ausgerichtet werden. Das Examen wird alljährlich von dem International Board of Lactation Consultants abgenommen.“ Wie stillt frau eigentlich richtig? Bald werden wir es wissen.

Falsche Offenheit

Als gäbe es nicht schon genug zerplatzte Lügen, reißt jetzt die Programmzeitschrift TV Spielfilm dem Fernsehtreiben auch noch die letzten Hüllen vom Leib. „Bei ‚Tutti Frutti‘ wird gemogelt“, berichtet sie. Verdammt. Wir hätten es wissen sollen. Auch dieses Strip-Quiz bei RTLplus, das sich zur vereinten europäischen Frauenbrust ebenso offen bekennt wie zu forcierter Dümmlichkeit, ist also eine einzige potemkinsche Veranstaltung. „Die internationalen Schönheiten Grit aus Dänemark oder Danielle aus Frankreich heißen oft in Wirklichkeit Grete oder Daniela – und kommen aus Deutschland. Das blonde Fotomodell Petra aus Düsseldorf zum Beispiel wurde von der ,Tutti Frutti’-Redaktion nach Finnland verfrachtet. In der Sendung hieß sie dann Pirkko. RTL-Redakteurin Barbara Berke gibt zu: ‚Wir denken uns Namen aus. Passend zum Aussehen wird eine Schwarzhaarige zu Carmen aus Spanien.‘“ Immerhin ist nun klar, warum die Frauen bei „Tutti Frutti“ alles aufmachen dürfen, nur den Mund nicht.