Menschen und Masken

Kommunikatoren sollen sie sein, unsere Politiker, im Fernsehen richtig „überkommen“ und möglichst so tun, als wüßten sie sofort die richtige Antwort auf jede unerwartete Frage. Kein Wunder, wenn sich inzwischen eine ganze Industrie damit beschäftigt, unsere Regenten im rechten Licht erscheinen zu lassen: geschminkt, geprompt, ausgeleuchtet – kaum mehr Menschen von Fleisch und Blut, sondern fernsehgerechte Dressmen. Aber natürlich passiert dann doch eine Panne, die Maske verrutscht, die Stimme stottert, und Marionetten werden wieder zu Menschen. Dem amerikanischen Präsidenten Bush passierte es vorige Woche. Einer Lehrerkonferenz in Kalifornien wollte er per Fernsehen vorbereitete Antworten auf vorher eingereichte Fragen verlesen. Die Fragenden hielten sich an eine andere Reihenfolge als der Antwortende im Weißen Haus; heraus kam ein Kommunikationssalat. Die Lehrer waren verwirrt, der Präsident beschimpfte seine Mitarbeiter. Die einzige Lehre, die sie daraus ziehen: Beim nächsten Mal wird er perfekter programmiert.

Anständige Abgeordnete

Gepflegte Manieren werden den Abgeordneten der Knesset nicht gerade nachgesagt. Im israelischen Parlament werden schon mal Ohrfeigen ausgeteilt oder derbe Flüche ausgetauscht. So erstaunte es nicht wenige Israelis, als sie vernahmen, ihre Volksvertreter hätten nun einen Ausschuß gebildet, der für Fragen der Etikette zuständig sein soll. Damit nicht genug: Neue Regeln verlangen nun auch, daß Angehörige der Streitkräfte die Knesset-Mitglieder formell grüßen. Was den Abgeordneten Reuven Rivlin zur Frage veranlaßte, ob auch sein Sohn beim Wochenendurlaub vom Militärdienst ihm gegenüber zu salutieren habe; falls ja – welche korrekte Erwiderung des Grußes hernach von ihm gefordert werde.

Die Toten befreien?

Die Massenmörder kehren zurück – so sieht es das Friedensabkommen für Kambodscha vor. Eine Million Landsleute haben die Roten Khmer auf dem Gewissen. Nun wollen sie die Zeugnisse ihrer Schreckensherrschaft schleifen, zum Beispiel die Schädelstätte in Choeung Ek. Dort liegen die sterblichen Überreste von 8000 Opfern; sie stören im politischen Geschäft. Auch Prinz Norodom Sihanouk, der Präsident der Übergangsregierung, fürchtet um den inneren Frieden. „Wir müssen die Toten befreien“, sagt er und schlägt die Verbrennung der Gebeine nach buddhistischem Ritus vor. „Wenn sie das tun, verlieren wir die Erinnerung“, sagt der Bauer Oeur Ros. Seine Rinder grasen auf den „Killing Fields“.