Die Briten wollen sich noch nicht auf eine Währungsunion festlegen

Von Wilfried Kratz

Für den schlimmsten Fall will der britische Finanzminister Norman Lamont wenigstens nationale Symbole gesichert wissen. Sollte es wirklich irgendwann eine europäische Währung geben, dann soll das Konterfei der Königin (oder des Königs) auf der Ecu-Banknote prangen. Diese Verbeugung vor nationaler Eigenart verlangt Lamont von seinen Kollegen in der Europäischen Gemeinschaft als eine kleine, aber emotional wichtige Bedingung für die britische Zustimmung zu dem Vertrag über eine Wirtschafts- und Währungsunion.

Der Anspruch auf die passende Gestaltung der Geldscheine ist nur eine von vielen britischen Forderungen vor dem EG-Gipfel in Maastricht. Sie ist bezeichnend für die Unsicherheit, die Ängste und die Abneigungen, welche sich auf der Insel mit den drei Buchstaben EMU verbinden, European Monetary Union, die Währungsunion also.

Großbritannien hat mehr als zehn Jahre gebraucht, bis es sich im Oktober 1990 dem Wechselkursgefüge des Europäischen Währungssystems anschloß, und fühlt sich in dieser „Zwangsjacke“ nicht gerade behaglich. Denn die Pflicht, den Wechselkurs des Pfundes innerhalb einer vereinbarten Bandbreite von sechs Prozent um den Mittelkurs von 2,95 Mark zu halten, legt der nationalen Wirtschafts- und Finanzpolitik strenge Fesseln an. Zum Beispiel kann die Zentralbank den Leitzinssatz von 10,5 Prozent trotz der anhaltenden Rezession nicht senken, weil das schwache Pfund gegenüber der Mark gestützt werden muß.

Diese Probleme des Zusammenspiels mit anderen europäischen Währungen in dem von der Mark beherrschten System sind ein Klacks verglichen mit der Union, die in ihrer letzten Stufe, vielleicht 1997, einen Sprung in die unbekannte Welt erfordert: eine Währung, eine Zentralbank, eine Geldpolitik, ein Zinssatz. Vielen Briten erscheint es zu riskant, diesen gewagten Sprung schon jetzt durch Unterschrift unter das Vertragswerk zu versprechen. Andere wollen ihn niemals machen, weil er für sie – „eine Nation ohne eigenes Geld ist keine Nation“ – der Selbstaufgabe gleichkommt.

Die britische Haltung zur Währungsunion ist nicht viel anders als die Einstellung des Inselvolkes gegenüber dem Prozeß der europäischen Einigung generell. Visionen sind suspekt. Eine Mischung von Überlegenheitsgefühl und Berührungsangst hindert die Briten, sich für kontinentalen Enthusiasmus zu erwärmen. Historische Erfahrung gebietet einerseits, daß man diesmal wenigstens dabei ist, wenn die Zukunft Europas ausgehandelt wird. Eine ausgeprägte Skepsis sorgt andererseits für Nüchternheit und eine tiefere Durchdringung der Probleme, die auf dem Kontinent leicht als lästige Behinderung auf dem Marsch der Geschichte weggewischt werden.