Unter den PC-Herstellern tobt ein spektakulärer Machtkampf

Von Gunhild Lütge

Wenn Videospieler nicht mehr vor dem Bildschirm hocken, sondern in einem virtuellen Raum mit Monstern kämpfen oder Autoverkäufer ihre potentiellen Kunden demnächst in einen Wagen einsteigen lassen, von dem es noch nicht einmal einen Prototyp gibt, dann steckt Cyberspace dahinter: der Raum, der aus dem Rechner kommt.

Computer, ein mit Sensoren bestückter Datenhandschuh sowie eine Mischung aus Helm und Brille, die mit Spezialmonitoren ausgestattet ist, täuschen das Gehirn so perfekt, daß der Zutritt zu künstlich geschaffenen Welten möglich wird. Erste bescheidene Ansätze gibt es schon. Noch aber setzt die vorhandene Technik der Phantasie ihrer Entwickler Grenzen.

Multimedia heißt das neue Schlagwort, mit dem die Computerindustrie ihre Visionen bereits zu vermarkten beginnt. Schon bald sollen sie sich in bare Münze verwandeln. Zur elektronischen Zukunft zählt nicht nur Cyberspace. Die Branche hat sich vorgenommen, Computer in eierlegende Wollmilchsäue zu verwandeln – Universaltalente für jedes Problem und alle Lebenslagen.

Der Grund für die geballte Kreativität: Die erfolgsverwöhnte Industrie steckt in einer tiefen Krise. Sie braucht möglichst schnell neuen Auftrieb. Ansonsten werden etliche Unternehmen ihre Versprechen gar nicht mehr einlösen können. In ihrer Hektik verstricken sich allesamt in einem spektakulären Machtkampf. Mit bisher unvorstellbaren Allianzen und Strategien rüsten sie sich für den erhofften nächsten Boom – nicht alle werden ihn erleben.

Besonders hart hat es im abgelaufenen Jahr die etablierten Hersteller von Personalcomputern (PC) getroffen. Immerhin repräsentieren die Kleinen unter den Rechnern mit rund neunzig Milliarden Dollar bereits ein Volumen von fast einem Drittel des gesamten weltweiten Computergeschäfts.