Von Hanns-Bruno Kammertöns

Auf dem Parkplatz der Tennisanlage von Etuf Essen war seine hoch aufgeschossene Gestalt schon von weitem gut zu erkennen. Sein leicht asketisch anmutendes Gesicht, ganz und gar nicht sonnenverwöhnt, dazu dieser tiefgrüne Anorak, dessen streckender Zuschnitt die Reichweite der Arme noch unterstrich. Eric Jelen trat näher und lächelte freundlich. Daß der Tag bereits Unannehmlichkeiten für ihn bereitgehalten hatte, war ihm nicht anzusehen.

Mit Blick auf seinen Besuch beim Bundespresseball am Abend hatte er am Morgen seinen Smoking einer Inventur unterzogen und dabei das Fehlen der Hose bemerkt. Infolgedessen hatte Eric Jelen in Düsseldorf, wo er für die Dauer einiger Tage seine Freundin besuchte, noch einen Herrenausstatter aufsuchen müssen. Auf welchem Kontinent, bei welcher Gelegenheit die Hose verlorengegangen war? An Spekulationen darüber wollte er sich nicht beteiligen. „Sie ist irgendwo vom Bügel gefallen“, vermutete er sachlich, schob den Reißverschluß hoch bis zum Kragen und drehte sich in den Wind.

Weil bis zum Mittagessen noch etwas Zeit war, hatte Jelen gegen einen Spaziergang am Ufer des nahen Baldeneysees nichts einzuwenden. Wir erreichten die Promenade, wo einige Enten widerwillig Platz machten. Unter dem Eindruck eines feinen Nieselregens, der nun einsetzte, kam er auf seinen Wohnsitz in Monte Carlo zu sprechen. „Wissen Sie, das Klima, die Trainingsbedingungen, alles schon sehr ideal. Viele von uns wohnen ja dort.“ Es klang überzeugend, und auch wieder nicht. Irgendwann später sagte er, wenn er es richtig bedenke, sei „Deutschland das schönste Land“. Aber da saßen wir schon in diesem kleinen Restaurant mit den gemütlichen Ecken und dem dunklen Holz an der Wand.

„Mich springen die Leute nicht an“, hat Jelen einmal formuliert. Damit hat er nach wie vor recht. Niemand schien ihn zu bemerken, als er den Gastraum betrat. Obwohl er im Davis-Cup, der Mannschaftsweltmeisterschaft, an der Seite der Heroen Becker und Stich in mehr als einem Dutzend Einsätzen den Schläger führte, ist der 25 Jahre alte Jelen der dritte Mann geblieben. Nicht weniger, aber auch nicht mehr. Niemand bislang, der versucht hätte, ihn in den Stand einer Tennisgottheit zu erheben. Aber das war wohl auch nicht zu machen. Nicht mit ihm.

Als der Ober nach seinen Wünschen fragte, entschied sich Jelen für Fleisch und einen kleinen Berg Rösti. Kein Salat, kein Gemüse. Danach war ihm nicht, also ließ er es sein. Insoweit, Jelen nippte an seiner Cola-Limonade, habe er in seiner Laufbahn wenig Kompromisse gemacht. Und nicht immer war es allein seine Entscheidung gegen Salat und Gemüse.

Schon früh bescheinigte ihm die Fachwelt bemerkenswertes Talent. Eric Jelen, „ein Mann mit goldenem Arm“? Mit dreizehn Jahren fährt er dreimal in der Woche mit dem Zug von seiner Heimatstadt Trier zum Training ins Verbandszentrum Saarbrücken. Mittlere Reife auf einem Internat in Kaiserslautern. Er bezieht eine eigene Wohnung und beginnt den Beruf Tennisspieler.