Hoppla, jetzt komm’ ich! So fröhlich klingt es, wenn Hans-Ulrich Klose, der neue SPD-Fraktionsvorsitzende, eingesteht, er könne sich selbst ganz gut in der Rolle des Herausforderers von Helmut Kohl vorstellen. Natürlich, hat Klose gesagt, Björn Engholm habe das Recht, über den Kanzlerkandidaten zu entscheiden. Er sei die Nummer eins. Damit sei er auch in der Pflicht, fügte Klose allerdings gleich hinzu. Und er „hoffe, daß er seine Pflicht erfüllt“.

Diese „leidige“ Diskussion hat der SPD-Vorsitzende Engholm zu stoppen versucht. Schließlich werde sie auf seinem Rücken ausgetragen. Kloses Formulierungen muß man sich auf der Zunge zergehen lassen. Zum Beispiel die: „Wenn mich im übrigen jemand fragt: Wenn der nicht will, ob ich dann Lust hätte, sage ich: Na klar habe ich Lust, wer bin ich denn, daß ich nicht Lust hätte, gegen Kohl anzutreten?“ In früheren Kandidaten-Diskussionen habe man manchmal das Gefühl gewonnen, es ginge um einen „Wettbewerb von Personen, deren Ziel es ist, möglichst nicht der Herausforderer zu werden. Am Ende erscheint dann derjenige, der es wird, als der Geleimte.“

Das war eine kurze, treffende Schlußpointe zu einer langen Geschichte. Sie beginnt mit Hans-Jochen Vogel im Jahr 1983, der auf lästige Fragen, ob er Kandidat seiner Partei werde, stets einen Zettel aus der Tasche zog und verlas, die Gremien der Partei würden zum angemessenen Zeitpunkt entsprechend der Kleiderordnung darüber entscheiden.

Kandidat in spe Johannes Rau hielt es ein bißchen lustiger. Der Kanzlerkandidat dürfe sich nicht zu früh verschleißen, hieß es aber auch damals. Sogar vom Kandidaten Oskar Lafontaine bleibt das Bild in Erinnerung, von Vogel in die Rolle gedrängt worden zu sein. Klose ist der erste, der aus diesem Trauermarsch ausschert.

Nun kann es geschehen, daß die SPD unversehens über drei Aspiranten, aber nur über einen Platz verfügt. Denn auch Björn Engholm hat beim Landesparteitag der schleswig-holsteinischen Sozialdemokraten für seine Verhältnisse geradezu glasklar formuliert, er könne nicht garantieren, länger als drei Jahre nach der Wahl Ministerpräsident in Kiel zu bleiben. Oskar Lafontaine wiederum hat in letzter Zeit immer deutlicher gemacht: Er wolle nicht nicht genannt werden als Kandidat. Die Chance aufs große Comeback für ihn sieht man nicht mehr.

Mit der Würde des Präsidentenamtes vertrage es sich nicht, hat Johannes Rau jetzt wieder bekräftigt, wenn zu früh über einen Nachfolger für Richard von Weizsäcker spekuliert würde. Hätte er Lust? Es sei keine Schande, für ein Amt genannt zu werden, um das man sich „nicht bewirbt“, sagt Rau.

Kanzlerkandidat und Präsidentenkandidat – in Bonn gibt das noch immer den schönsten Stoff ab für Hinterstübchenspekulationen. Dagegen verblaßt völlig die Debatte, ob Irmgard Schwaetzer, Klaus Kinkel oder Jürgen Möllemann einmal Otto Graf Lambsdorff an der Spitze der FDP beerben. Möllemann übrigens gehört in dem Sinne auch zu den Politikern, die gern eingestehen, sie trachteten nach Höherem und hätten „Lust“ darauf. Das hat er mit Klose gemein – und dieser mit Kohl.