Diese Inszenierung, die Karla Fohrbeck nicht geplant, sondern die sich „einfach ergeben“ habe, ist charakteristisch für ihr neues Denken und für ihr Verständnis von der Rolle der Kunst: „Heute können Künstler – falls sie das überhaupt jemals konnten – kaum mehr eine Antwort geben. Sie können, wenn sie gut sind, die Welt oft nur noch beschreiben. Manche Künstler aber spucken nur noch aus, was sie an Ängsten in sich haben.“

Dann relativiert sie mit aufklärerischer Emphase die Aufklärung: „Das wenige exakte Wissen in der Welt verfliegt. Nach Tausenden von Jahren ist es oft nichts mehr wert. Was bleibt, sind ganz andere Geschichten. Denn alle Wissenssätze sind auf Axiome zurückzuführen, und Axiome sind bekanntlich Glaubenssätze, auch in den Naturwissenschaften.“

Ihre Religiosität wurde publik durch das Nürnberger Stadtmagazin Plärrer: Zwei Journalisten hatten im Juli den Bußgottesdienst einer „Freien Christengemeinde“ besucht, die Rede, die Karla Fohrbeck dort über ihre spirituelle Grenzerfahrung hielt, auf Tonband mitgeschnitten und in Auszügen veröffentlicht. Schlagwortartig wurde in der Presse immer wieder die vermeintlich entscheidende Passage zitiert: „Gott hat noch etwas vor mit mir in dieser Stadt“.

Das aber, sagt Karla Fohrbeck, sei aus dem Zusammenhang gerissen: „Ich wurde von Gemeindemitgliedern gefragt, wie ich es denn aushalte, wo doch in Nürnberg soviel gegen mich gearbeitet wird. Ich habe gesagt: ‚Machen Sie sich keine Sorgen. Es ist ein Segen über meinem Amt. Gott hat schon noch etwas vor mit mir in dieser Stadt.‘ So. Jetzt können sie natürlich hingehen und in Deutschland verbreiten: ‚Gott hat noch etwas vor mit ihr in dieser Stadt‘ und sagen, die ist größenwahnsinnig. Soll ich mich deswegen auf den Marktplatz stellen und sagen: ‚Leute, so war es und nicht so‘?“

Die Kulturreferentin läßt sich nicht beirren. Genau das Gegenteil: Je heftiger sie angegriffen wird, desto stärker wird ihr religiös-fundamentalistisches Bekennertum. Als der Nürnberger Oberbürgermeister ihr vor kurzem verbot, bei einem Charismatiker-Kongreß in Nürnberg als seine Stellvertreterin zu sprechen, demonstrierte sie erst recht ihre Sympathien für die Charismatiker bei einem Marsch durch Nürnberg. Sie gewinnt sogar dieser Kampagne etwas Positives ab: „Dadurch, daß ich Christin geworden bin, daß ich bete und die Bibel lese, sehe ich, wie die Menschen in ihren Urängsten gefangen sind. Es ist gut, daß dies in Friedenszeiten ’rauskommt. Wenn dieser ganze Verdrängungsschlamm in echten Notzeiten herauskäme, dann wäre das wirklich gefährlich. So ist das ein Stück Trockenübung.“

Wahrheit, Halbwahrheit und Phantasie

Karla Fohrbeck hat mehrere personalpolitische Entscheidungen gefällt, die auf die betroffenen langjährigen Mitarbeiter verletzend gewirkt haben. Manche ließen sich versetzen, entrüstet über den neuen Führungsstil und die „gespenstische“ Atmosphäre, andere wiederum sind in die innere Emigration gegangen und versuchen, den kulturpolitischen Schaden, den Karla Fohrbeck durch ihre Unwissenheit, Überheblichkeit und ihre übersteigerte Religiosität aus ihrer Sicht anrichtet, schon auf den unteren Ebenen zu begrenzen. Und wenn in einer Verwaltung kein Vertrauen herrscht, entstehen Gerüchte, die Grenzen zwischen Wahrheit, Halbwahrheit und Phantasie werden immer fließender. Zum Beispiel hat sie angeblich ein Plakat für ein Figurentheaterfestival, auf dem ein Teufel zu sehen war, mehrmals aus Ärger abgedeckt. Sie bestreitet das und behauptet, das Plakat habe zwei Wochen dort gehangen, dann erst habe sie es entfernt.