Von Wolfgang Schliephack

Erd-Globen, zum Gebrauche der studierenden Jugend und als nützliches Weihnachtsgeschenk empfehlenswerth...“ hieß es schon in einer Anzeige der Wiener Zeitung vom 15. Dezember 1840. Weihnachten ist auch heute noch neben Konfirmation und Kommunion der Hauptanlaß für den Globuskauf.

Seit Martin Behaim 1492 seinen „Erdapfel“ vorstellte, der noch ein vorkolumbianisches Weltbild zeigt (das Original ist heute im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg zu bewundern), entwickelte sich der Globus in den folgenden Jahrhunderten zum wissenschaftlichen Lehr- und Anschauungsobjekt, das die auf den Entdeckungsreisen gewonnenen Erkenntnisse spiegelte. Mit Beginn des 19. Jahrhunderts wandelte sich der Globus vom Kunstwerk zum Massenartikel. Ökonomische Überlegungen, Faktoren wie Nachfrage, Marktlücken und Bedarfsweckung traten mehr und mehr in den Vordergrund.

Heutzutage spielen weniger kartographische Gesichtspunkte als vielmehr Aspekte der Wohnraumgestaltung beim Globuskauf eine Rolle. So wird besonders der Leuchtglobus als romantische, die Phantasie beflügelnde Lichtquelle oder als dekoratives Möbelstück geschätzt, das „... mit seinem runden Eiche-Holzfuß ... ein Prunkstück in jeder Eiche-Einbauwand bildet“, wie es in einem Prospekt heißt.

Als Spielerei gibt es den Falt- oder Bastelglobus, den man annähernd zu einer Kugelform zusammenkleben kann. Der Globus zum Aufblasen existierte ebenso wie der Faltglobus allerdings schon vor 150 Jahren: Er wurde damals als „pneumatisch portativer Erdglobus“ angepriesen.

Seriöse, traditionelle Globen sind zu beleuchten, und sie zeigen ein Wechselbild, das heißt, ihr Aussehen ändert sich mit Einschalten der Lichtquelle. Der Leuchtglobus Planet Erde – der Weltstar (Columbus, Weinstadt, Durchmesser 26 cm, 168 Mark) hat dieses traditionelle Wechselbild: Unbeleuchtet sind die politischen Grenzen sichtbar (jeder Staat hat eine andere Farbe), beleuchtet erscheint die Erdoberfläche in Höhenstufenfarben von Grün bis Rotbraun, die Ebenen und Gebirge markieren, die Weltmeere werden in Tiefenstufenfarben von Hell- bis Dunkelblau abgebildet. Darüber hinaus wird die Teilung der Erde in Tag-, Nacht- und Dämmerungszonen erkennbar, sogar die jeweiligen Ortszeiten sowie Sonnenauf- und -untergang können abgelesen werden.

Der Leuchtglobus Orbit (JRO, Stammham, Durchmesser 33 cm, 189 Mark) ist für diejenigen geeignet, denen das herkömmliche Kartenbild zu abstrakt und eintönig ist. Er bietet unbeleuchtet eine hervorragend schattierte und somit gleichsam plastische Zeichnung der Erdoberfläche mit naturähnlicher Farbgebung, beleuchtet kommen die Staatsgrenzen und -namen und das Meerestiefenkolorit hinzu. Dieser Typus ist auch als Riesenglobus (Maßstab 1 : 10 000 000 – ein Zentimeter auf dem Globus entspricht hundert Kilometern in der Natur –, Durchmesser 127,6 cm, 12 500 Mark) erhältlich. Gedacht ist dieses teure Stück, das als größter Serienglobus der Welt gilt, für repräsentative Zwecke als Zierde in Empfangshallen von Firmen und Hotels.