Fünftausend Leute hat er während seiner Karriere als Staatsanwalt vor den Kadi gebracht, und die Art, wie er gegen Gangster und Ganoven in Chicago zuschlug, hat ihm den Spitznamen „Sam der Hammer“ eingebracht. Aber das entspricht so gar nicht dem Bild, das Freunde und Bekannte von Samuel Skinner zeichnen. Es entspricht auch nicht seinem eigenen Empfinden.

Ein Hammer, ein Boß, der seine Mitarbeiter nur zurechtklopft und ständig in der Furcht des Herrn hält, ist der 53jährige Skinner eben nicht. Sonst hätte ihn Präsident Bush nicht als neuen Stabschef geholt.

George Bush war des arroganten Machtprotzes Sununu als Topberater überdrüssig geworden. Der Präsident wechselte den Verantwortlichen für einen reibungslosen Geschäftsablauf und für kreative Ideen im Weißen Haus kurz vor dem Wahljahr 1992 aus – spät zwar, aber noch rechtzeitig genug, um mit einer harmonischen Mannschaft in den Wahlkampf zu gehen.

Samuel Skinner, der bisherige Verkehrsminister, ist offenbar genau der Typ, den der amerikanische Präsident jetzt braucht: energisch, aber kompromißbereit; ein „Brückenbauer“. Er soll gemäßigte Pragmatiker und konservative Ideologen zusammenhalten.

Vor allem zwei Widersacher muß Skinner auf der Parteirechten im Auge behalten: Patrick Buchanan mit seinem nicht unpopulären isolationistischen Programm und David Duke, den Exgroßmeister im Ku-Klux-Klan, mit seinen ebenfalls nicht unpopulären rassistischen Thesen.

Samuel Skinner, der zusammen mit den Demokraten im Kongreß ein bemerkenswertes Straßenbaugesetz auf die Beine gestellt hat, soll nun neue Themen in die Diskussion bringen. Die aufgekommenen Zweifel in der Wählerschaft von George Bush sollen zerstreut werden. Aber weiß Skinner genau, in welche Richtung er die Wirtschafts- und Sozialpolitik bewegen will?

Die wenigsten Beobachter glauben das. Denn George Bush glaubt noch immer, der steile Abfall seiner Popularitätskurve sei das Ergebnis böswilliger Medien. „Da ist niemand, der zurückschießt“, bemängelt der Präsident.