Wie die Hilfsorganisation Asme Humanitas zwischen die Fronten des Bürgerkriegs im Zedernstaat geriet

Von Gisela Dachs

Mannsflur, im Dezember

Nein, sie habe sich nie erlaubt zu glauben, daß er tot sei. Dagmar Nackunstz sagt es mit fester Stimme. Die Geschäftsführerin der privaten Hilfsorganisation Asme Humanitas spricht von Heinrich Strübig, der vor zweieinhalb Jahren mit Thomas Kemptner in der Nähe der südlibanesischen Hafenstadt Sidon verschleppt worden ist. Die beiden Deutschen sind die letzten westlichen Geiseln im Libanon. Die Hoffnung, daß nach den Amerikanern und Briten nun auch sie noch vor Weihnachten freigelassen werden, ist in den vergangenen Wochen gestiegen.

Dagmar Nackunstz leitet heute die Zentrale von Asme Humanitas im oberfränkischen Mannsflur: ein Büro und eine Lagerhalle, gefüllt mit Medikamenten. Sie zeigt das farbige Polaroid-Photo, das der UN-Sonderbeauftragte Giandomenico Picco nach seiner vorerst letzten Mission in Beirut dem Bonner Auswärtigen Amt übergeben hat. Die beiden Männer im Unterhemd wirken mitgenommen.

Der kräftigere und größere der beiden ist Heinrich Strübig (50), gelernter Bergmann, Mitbegründer von Asme Humanitas mit Wohnsitz in Stadsteinach. Er war schon im September 1987 in den Libanon gefahren, um dort die Niederlassung der Organisation neben dem Palästinenserlager Miyeh zu leiten.

Der andere Mann – sichtlich abgemagert – ist Thomas Kemptner (30), Krankenpfleger aus Hamburg. Er hatte sich im Frühjahr 1989 auf eine Anzeige gemeldet, um zwei Monate lang "Friedensdienst" zu leisten. Sein Einsatz für Asme dauerte gerade zehn Tage bis zu der Entführung am 16. Mai 1989.