Freunde ohne Freunderlwirtschaft. Und dennoch haben sie Wunderbares zusammen gemacht: John Cage, der Komponist und Grenzgänger; Merce Cunningham, der Tänzer und Choreograph; Jasper Johns, der Maler. Drei inzwischen etwas ältere Herren, jeder ist seinen eigenen Weg gegangen, und doch haben sie sich seit den fünfziger Jahren immer wieder getroffen: auf der Bühne von Merce Cunningham, der freien Fläche, der von Tüllröcken und Pas de deux freigefegten Fläche, auf der es nach Cunningham um das eigentlich Selbstverständliche geht, um „Bewegung in Zeit und Raum“. Nicht als kooperierende Stars, sondern als „Dancers on a plane“ (eine ganze Bild-Serie von Jasper Johns heißt so), Tänzer zwischen den Disziplinen und Etiketten, haben sie sich gefunden in der Arbeit (vor allem Cage und Cunningham) oder im Reflex der Arbeit des/der anderen (das ist vor allem Johns’ Part). Auch andere Musiker wie Earle Brown, Christian Wolff, Morton Feldman und La Monte Young waren mit Cunningham, Cage und Johns verbunden, und das Photo des jungen Robert Rauschenberg, der in einer Cunningham-Choreographie mit Ikarus-Flügeln und Rollschuhen auf die Bühne stürmt, gehört zu den schönsten Dokumenten einer Zeit des Aufbruchs (leider ist es nicht in die-

  • Freundschaften – Cage. Cunningham. Johns

Herausgegeben von Anthony d’Offay; Edition Cantz, Stuttgart 1991; 168 S., Abb., 88,– DM

sem Band enthalten). „Tänzer auf einer Fläche. Keine Mitte. Immer abseits. Überall in die Mitte“, schreibt Susan Sontag, als sei sie Martha Graham, in freien Rhythmen zu diesem Buch. Und: „Sich wieder verbindende Künste. Domäne der Lust. Domäne der Höflichkeit.“ Petra Kipphoff