Von Willi Winkler

Die schweren Geschlechtsverkehre im Unterland reißen nicht ab, war uns versprochen worden. In Jenbach sollen sie aufgetreten sein, später auch in Wattens. Die schweren Geschlechtsverkehre kommen, so wurde uns zuverlässig versichert, aus heiterem Himmel. Manchmal, aber das ist nicht ganz sicher, geht ihnen ein Gewitter voraus; Eine Frau wollte ein Bumsen wie nach einem Blitz gehört haben.

Wir waren neugierig geworden: Helmuth Schönauers Erzählung? Roman? "Muff/Teig/Provinz" hatte den Aufruhr für Innsbruck und Umgebung angekündigt. Freilich stieg die Steuerassistentin z.A., auf die wir schon unsere Hoffnung setzen wollten, bereits in Rosenheim aus. Im Zug von München her hatte sie ihr Vokabelheft studiert, in dem sie seit einigen Jahren Fremdwörter aus der Süddeutschen Zeitung botanisiert. Der 1C passierte die Grenze bei Kufstein, passierte Wörgl, Brixlegg, Fritzens, Wattens, aber weder hier noch in Jenbach wollte es bumsen. Kein Geschlechtsverkehr weit und breit, schon gar kein schwerer.

Am Hauptbahnhof von Innsbruck, einer Stadt immerhin von 116 000 Seelen vorwiegend katholischen Bekenntnisses, wenigstens die Andeutung eines Nachtlebens. Zwei Zeitungsverkäufer streiten miteinander, Tiroler Tageszeitung versus Kurier. Der Tag hatte sich bereits ordentlich geneigt, wir waren auch zu müde, uns weiter bei der Innsbrucker Frequenz schwerer Geschlechtsverkehre aufzuhalten. Der Zimmerkellner, der uns abends noch ein Glas warme Milch aufs Zimmer bringt, hat auch davon läuten hören und sieht einen Zusammenhang, den er uns bereitwillig erläutert.

Erster Aufzug: Darinnen erzählt wird, wie die Innsbrucker Geistlichkeit sich Verdienste erwirbt

Vor nun schon etlichen Jahren soll eine an sich geschäftstüchtige Dame, Besitzerin zweier Etablissements der verrufeneren Sorte, auf ihre letzten Tage kläglichste Angst um ihr Seelenheil befallen und sie deshalb bewogen haben, dem ehrwürdigen Stift Wilten die genannten Lusthäuser zu übereignen, auf daß sie selber als ehrengeachtete Wittib sterbe. Worauf sie sich hinlegte und tatsächlich verschied, durch die Stiftsbrüder, Prämonstratenser, ordentlich versehen mit den hl. Sterbesakramenten. Die gleichermaßen hl. Brüder mochten die schöne Abendgabe schon aus christlicher Nächstenliebe nicht ausschlagen; bekanntlich werden die Kirchensteuerzahler Jahr um Jahr säumiger. Das Erbgut jedenfalls versetzte sie in den frommen Kenntnisstand über amouröse Nebentätigkeiten in- und ausländischer Honoratioren, etwa über deren versuchte schwere Geschlechtsverkehre.

Allerdings soll es sich bei der ganzen Geschichte, wie der Kellner abschließend versicherte, um ein feiles Gerücht handeln, nichts, gar nichts stecke dahinter, jedenfalls keine Frömmigkeit.