Für Elisabeth Höller hat sich Abwarten ausgezahlt

Von Reinhold Rombach

Eigentlich sollten die Börsianer mit dem Verlauf des Jahres 1991 zufrieden sein. Im Durchschnitt legten die Aktien an den Weltbörsen – gemessen am MSCI-Weltindex – bis zum 5. Dezember um 17,2 Prozent zu. Und wer sich nur auf die großen deutschen Aktien konzentrierte, hatte am vergangenen Donnerstag immerhin ein Plus von 12,3 Prozent (Deutscher Aktienindex) im Depot. Doch diese Gewinne täuschen. Die turbulente Börsenentwicklung machte es den Anlegern äußerst schwer, wenigstens die Durchschnittsgewinne zu erzielen. Selbst die Profis hatten Probleme, bei dem ständigen Auf und Ab der Kurse immer auf der richtigen Seite zu stehen. Das spiegelt sich auch in den Ergebnissen des ZEIT-Börsenspiels wider. Lediglich die Zürcher Vermögensberaterin Elisabeth Höller konnte in den vergangenen elf Monaten einen Gewinn erwirtschaften.

Regelrecht abgestürzt ist indes Tim Schmiel von der Westfalenbank. Sein Depot verlor im Vergleich zum Vormonat nochmals 6550 Mark. Einen Monat vor Spielende steht Schmiel mit über 20 Prozent im Minus. Und es scheint, als finde der Düsseldorfer Finanzexperte kein Rezept, um aus der Misere wieder herauszukommen. „Die schlechten Konjunkturaussichten in den Vereinigten Staaten haben das Vertrauen der Anleger nachhaltig erschüttert“, resümiert Schmiel achselzuckend. Die enttäuschende Entwicklung der amerikanischen Wirtschaft hat besonders die Kurse der AT & Scores in den Keller gedrückt. Diese optionsähnlichen Titel reagieren stark auf Konjunkturdaten. Die negativen Nachrichten über die – wirtschaftliche Lage in Amerika haben die Höhenflüge dieser Papiere an der Börse jäh gestoppt: Im Vergleich zum Einstandskurs sind schon jetzt 35,45 Prozent Verlust in die Bücher zu schreiben.

Lediglich die Aktien des niederländischen Flugzeugbauers Fokker stehen im Depot der Westfalenbank noch nicht mit einem Verlust da. Allerdings hat das monatelange Festhalten an diesem Titel auch nicht gerade zu überwältigenden Erträgen geführt. Tim Schmiels Hoffnung, daß die Aktien der Verenigde Vliegtuigfabrieken von der mageren Zuwachsrate von 1,58 Prozent aus zu einem baldigen Höhenflug starten, scheint ziemlich groß zu sein. Impulse könnten die Fokker-Kurse von den Expansionsplänen des Unternehmens erhalten. Die holländischen Flugzeugbauer beabsichtigen nämlich, ihr Regionalflugzeug-Angebot beträchtlich zu erweitern. So will man in der Konzernleitung bemerkt haben, daß in naher Zukunft in den Vereinigten Staaten, aber auch in Europa, eine starke Nachfrage nach Flugzeugen mit Sitzplätzen für 70 bis 130 Personen erwartet wird. Zu bedenken ist allerdings, daß auch finanzstärkere Konzerne ebenfalls den Bau solcher Flieger planen. Einige sind mit ihren Plänen bereits weiter als Fokker. Zum Beispiel hat das französische Konsortium Aerospatiale Alenia angekündigt, einen neuen Fünfzigsitzer zu bauen. Und auch Airbus hat noch nicht die Idee aufgegeben, eine verkürzte Version des Airbus A 320 für 130 Passagiere zu produzieren. Boeing und McDonnell Douglas bieten ohnehin schon Flugzeuge in diesem Marktsegment an.

Ob sich der erhoffte Aufschwung noch in den letzten Wochen des Jahres an der Börse bemerkbar machen wird, bleibt abzuwarten. Bisher jedenfalls deutet alles darauf hin, daß Tim Schmiel, der Sieger des Vorjahres, diesmal als letzter durchs Ziel geht. Aber auch Hedda Bühner vom Brokerhaus Prudential Bache mußte erfahren, wie schnell sich in diesen Zeiten das Glück am Börsenparkett wenden kann. In einer erstaunlichen Rutschpartie verlor die monatelang führende Münchner Börsenexpertin Woche um Woche mehr Geld, im vergangenen Monat sogar mehr als zwölftausend Mark. Erst bei einem Vermögensstand von 96 384 Mark kam der Abwärtssog zum Stillstand, vorläufig jedenfalls. Alle Gewinne sind perdu, und sogar die Substanz ist angeknabbert. Hedda Bühners Verluste haben mehrere Ursachen. Einerseits hat die amerikanische Intel-Aktie die in sie gesetzten Erwartungen nicht erfüllt. Andererseits ist die gewagte Spekulation mit Aktien der Athena Neurosciences nicht aufgegangen.

Zur Monatsmitte verließ die Amerika-Kennerin von Prudential Bache eine sichere Kassenposition von rund 30 000 Mark und kaufte sich dafür Aktien dieses Unternehmens der Biotechnologiebranche. Die Gesellschaft ist eine High-Tech-Pharmaschmiede mit Schwerpunkt Früherkennung der Alzheimerschen Krankheit. Athena ist Marktführer in der pathologischen Früherkennung dieser Krankheit, forscht aber auch in anderen neurologischen Symptomfeldern wie Epilepsie und multiple Sklerose. In Tierversuchen, so ist zu hören, soll es der Gesellschaft gelungen sein, einen monoklonalen Antikörper zu entwickeln, der weißen Blutkörperchen den Zellzugang zum Gehirn verwehrt. Ebendieser Zugang löst multiple Sklerose aus.