DIE ZEIT

Unfreiwillige Feuerwehr

Nun sind die großen Worte der Biedermänner billig zu haben. Der politische Friede sei in Gefahr, Regierung und Parlament steckten in einer fundamentalen Legitimationskrise, eine Umkehr sei unumgänglich, kurzum: Die politische Glaubwürdigkeit wiege schwerer als hohe Pensionen und höhere Diäten für Hamburger Senatoren und Abgeordnete.

Ein Wechsel auf Europas Zukunft

Das europäische Gipfeltreffen ist vorüber – die europäische Debatte hat noch gar nicht angefangen. Was die zwölf Staats- und Regierungschefs in Maastricht beschlossen haben, muß erst noch von den nationalen Parlamenten ratifiziert werden.

Zauberformel

Mit der völkerrechtlichen Anerkennung eines neuen Staates ist es wie mit Weihnachtsgeschenken: Man soll sie nicht lange vorher ankündigen, sondern zum richtigen Zeitpunkt präsentieren.

Fortschritt

Ende November fanden Vorgespräche über eine neue Verfassung statt; die Regierung und neunzehn politische Organisationen nahmen teil.

Die neue Troika

Eine Passage aus Gogols "Die toten Seelen" macht derzeit die Runde: "Stürmst nicht auch du, Rußland, so dahin wie eine kühne Troika, die niemand einholen kann? Der Boden dampft, die Funken sprühen, die Brücken dröhnen .

Zeitspiegel

Seit Kriegsende trainiert britisches Militär in der Lüneburger Heide, in diesem Herbst soviel wie seit 1984 nicht: wrooaaammmm, tat-tat-tat-tattat-tat-tat, dummpsch! dummpsch! wwwwrrrooooaaammmmm, tat-tat-tat-tat! Diesen Lärm, das Öl im Naturschutzgebiet, die vielen tödlichen Verkehrsunfälle mit unbeleuchteten Panzern – all das haben die Leute gründlich satt.

Worte der Woche

„Am Ende des Abends habe ich mich an einen in dem Restaurant stehenden Flügel gesetzt und einige Musikstücke, darunter Lieder der Beatles, und zum Abschluß das Lied der Deutschen gespielt.

Wolfgang Ebert: Aus dem Tollhaus

„Soll ich vielleicht der endgültige Auslöser einer Massenflucht aus dem Kabinett sein? Dann bleibt Kohl mutterseelenallein am Kabinettstisch sitzen.

Ausgedorrt am Arm des Chefs

Die Partei tagt – aber wo steht sie? Und wer repräsentiert sie außer Helmut Kohl? Nicht wenigen kommt der bevorstehende Dresdener CDU-Konvent wie eine große Fassade vor.

Nur noch nach vorne blicken

Das Zitat mutet an wie ein Wortfetzen aus der Geschichte: "Die CDU trägt durch den politischen Sündenfall der geduldeten Gleichschaltung Mitschuld am moralischen Verfall der ganzen Gesellschaft.

Bonner Bühne: Die Lust am Kandidieren

Hoppla, jetzt komm’ ich! So fröhlich klingt es, wenn Hans-Ulrich Klose, der neue SPD-Fraktionsvorsitzende, eingesteht, er könne sich selbst ganz gut in der Rolle des Herausforderers von Helmut Kohl vorstellen.

Weltbühne: Wer beerbt den Tycoon?

Nach dem Tode Robert Maxwells hatte der Daily Mirror, das einträgliche und auflagenstarke Massenblatt aus dem Maxwell-Imperium, für eine geraume Zeit seine Seiten mit zum Teil nur schwer erträglichen Lobhudeleien auf den verstorbenen Tycoon gefüllt.

Das Gymnasium – Hauptschule der Nation

Ja, weiß denn niemand mehr, was es mit der Martinsgans auf sich hat? Dabei war doch die „Legende von Sankt Martin“ erst in der letzten Stunde dran.

Die Studierwut der niederen Stände

Seit Mitte des 18. Jahrhunderts verlangt die Laufbahn des „höheren Staatsdienstes“ in Deutschland „Staatsexamina“. Akademische Unterweisung wurde zunehmend als Amtsvorbereitung des wachsenden Beamtenheeres verstanden, und dem Gymnasium wurde die Propädeutik, ein auf ein wissenschaftliches Universitätsstudium vorbereitender Unterricht, übertragen.

KOLUMNE: Ohne Tote keine Taten?

Die deutschen „Friedensbewegten“ demonstrierten, wenn sich das Ereignis in der Ferne abspiele und jedesmal dann, „wenn es antiamerikanisch aussehen darf“, aber nicht „für die geschlagenen Menschen in Asylantenheimen“ und nicht für die Menschen, die in Jugoslawien zugrunde gehen.

Tatenlos in den Abschwung

Weniger als fünf von zehn Amerikanern, so ergab eine Umfrage in der vergangenen Woche, sind zufrieden mit der Arbeit ihres Präsidenten.

Bonner Kulisse

Das hat es seit über zwanzig Jahren im Deutschen Bundestag nicht gegeben: Erstmals hat die SPD-Fraktion das aus dem Marschallplan nach dem Krieg entwickelte ERP-Programm zur Wirtschaftsförderung abgelehnt.

Wilfried Herz:: Gefährliche Machtprobe

Die Härte des Streits zwischen der christlichliberalen Regierungsmehrheit im Bund und der SPD-geführten Mehrheit der Bundesländer um das jüngste Steuerpaket sollte die Bürger aufschrecken.

Portugal: Triumph des Hürdenläufers

Wenn Portugal in der Sylvesternacht zum ersten Mal die Präsidentschaft der Europäischen Gemeinschaft übernehmen wird, ist das für einen Mann ein ganz besonderer Triumph: Ministerpräsident Anibal Cavaco Silva hat wie kein anderer Portugiese dafür gekämpft, sein Land harmonisch in die EG zu integrieren.

Frankreich: „Das tut ein bißchen weh“

Die Deutsche Mark wird also in einer neuen Währung aufgehen. Und das ist ein bedeutsamer Schritt für die Deutschen; denn sie verlieren schließlich ihr Nationalsymbol schlechthin.

Mövenpick: Der ewige Abschied

Für manche ist der Abschied vom Lebenswerk wie der Abschied vom Leben. So geht es auch dem Schweizer Ueli Prager, dem es an einem nebligen Herbsttag in Zürich vor 44 Jahren einfiel, in den Vereinigten Staaten Gelerntes in neue europäische Gastronomie umzumünzen; das erste Mövenpick-Restaurant entstand.

Was kostet der Klimaschutz?

Wohl kein ökologisches Problem bedarf so sehr der internationalen Zusammenarbeit wie der befürchtete Treibhauseffekt. Anders als andere Umweltschäden kann die Aufheizung des Weltklimas nicht im nationalen Alleingang bekämpft werden – jedes Land ist zugleich Täter und Opfer der Klimasünden anderer Nationen.

Computerindustrie: Chaos vor dem Sturm

Wenn Videospieler nicht mehr vor dem Bildschirm hocken, sondern in einem virtuellen Raum mit Monstern kämpfen oder Autoverkäufer ihre potentiellen Kunden demnächst in einen Wagen einsteigen lassen, von dem es noch nicht einmal einen Prototyp gibt, dann steckt Cyberspace dahinter: der Raum, der aus dem Rechner kommt.

Ökotips für den Einkauf

Wo bitte geht’s zum umweltfreundlichen Einkauf? Mit Frosch und Schildkröte, mit Ökosprüchen und Umweltwerbung preisen die Einzelhändler ihre Waren an.

Markt-Report: Nichts zündet mehr

Die Umsätze auf den deutschen Aktienmärkten haben einen in diesem Jahr noch nicht registrierten Tiefpunkt erreicht. Die Großanleger sind allenfalls noch mit Feineinstellungen beschäftigt; grundsätzlich hat die Mehrzahl von ihnen die Bücher von 1991 geschlossen.

Börsenspiel: In aller Ruhe zum Erfolg

Eigentlich sollten die Börsianer mit dem Verlauf des Jahres 1991 zufrieden sein. Im Durchschnitt legten die Aktien an den Weltbörsen – gemessen am MSCI-Weltindex – bis zum 5.

Quelle des Reichtums

Frauen sind kein Problem für die Ökonomie. Ganz im Gegenteil: Die Probleme der Wirtschaft können gerade durch eine aktivere Rolle von Frauen gelöst werden.

Manager und Märkte

Bauer Verlag: Punkt für den Herausforderer AEG-Olympia: Vertagung bis zum Februar Warsteiner: Entscheidung vor dem Bundesgerichtshof

Zar und Zocker

Angriff ist die beste Verteidigung, sagt sich der Daily Mirror und druckt auf seiner Titelseite unter immer größeren Schlagzeilen „exklusive“ Nachrichten – über sich selbst.

Welthandel: Rücktritt mit Hintergedanken

Er gehört nur bedingt zu den Stars der internationalen Wirtschaftsszene. Obwohl schon seit 1980 im Amt, war sein Name bis vor kurzem nur wenigen Eingeweihten geläufig: Arthur Dunkel, der in Lissabon geborene Schweizer Diplomat aus Merishausen im Kanton Schaffhausen, ist seit fast zwölf Jahren Generaldirektor des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens (Gatt) in Genf.

Bayern: Lüftet er den Schleier?

Der Abdruck von geharnischten Leserbriefen – selbst mit der Androhung, „Ihr bisher geschätztes Blatt abzubestellen“ – ist alte Zeitungstradition und dient letztlich der Imagepflege.

Baden-Württemberg: Späte Weitsicht

Kann ja sein, daß es einfach zu früh war, als man Lenin ein Denkmal setzte. Vielleicht hätte man einige Jahre warten sollen, ehe man ihn in Stein schlug.

Rote Socke

„Ich habe in der alten DDR auch Büttenreden gehalten und Theater gespielt. Das kann man nicht alles mit SED-Vergangenheit in Verbindung bringen.

Brief aus Ludwigsfelde

So ein Telephon ist ja wirklich eine schöne, praktische Einrichtung, aber man wird dadurch auch leider schreibfaul, und ich schreibe jetzt tatsächlich nur das, was nach der Wende hier notwendig ist.

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