Natürlich ist es eine freiwillige Entscheidung, wenn sich eine Frau wegen Unfruchtbarkeit behandeln läßt. Fünf Jahre lang wollte ich unbedingt schwanger werden und nahm dabei schmerzhafte, mitunter sogar bizarre medizinische Prozeduren in Kauf, und nichts davon schien mir noch freiwillig.

Der Wunsch nach einem Kind ist ein starker Instinkt; die Behandlung der Unfruchtbarkeit wurde für mich zu einer Frage des persönlichen Überlebens. Alles, was an Untersuchungen angeboten wird, ließ ich über mich ergehen: Hysterogramm, Laparoskopie, Endometrium-Biopsie und unzählige Blutuntersuchungen. Ich weiß nicht mehr, wie oft das Sperma meines Mannes untersucht worden sind. Wir versuchten es mit einer Hormonbehandlung, der künstlichen Befruchtung, der Intrauterininsemination (achtmal), IVF (in vitro Fertilisation), dem Gameten-Transfer und tiefgefrorenen Embryonen (zweimal).

Erst am Ende all dieser vergeblichen Jahre begann ich zu ahnen, daß das, was mein Mann und ich da mitmachten, sofort zu beenden gewesen wäre – einfach so, durch unseren Entschluß. Ich könnte einfach aus dieser Arztpraxis hinausgehen, vom Untersuchungsstuhl heruntersteigen, die Operation absagen und sagen: Danke, es reicht. Aber wann reicht es wirklich mit der High-Tech-Medizin? Wie sammelt man den Mut und die Kraft zu sagen: Das funktioniert nicht, nicht mit uns, und wir haben genug davon?

Ich erinnere mich noch genau an eine etwa vierzigjährige Frau, die ich in einer Klinik traf. Wir beide saßen da und warteten auf unsere Hormongaben und die Blutabnahme. „Wie alt sind Sie?“ fragte sie mich. Ich war damals 31. „Oh“, rief sie, „Sie haben ja noch so viel Zeit.“ Seit zehn Jahren wartete sie auf die Erfüllung ihres Kinderwunsches, und sie dachte gar nicht daran aufzugeben. „Geben Sie nicht auf, geben Sie niemals auf“, sagte sie. Ich sah sie überrascht an und dachte im stillen: „Zehn Jahre? Auf keinen Fall. Das lasse ich nicht mit mir machen.“ Mit Trauer und Bedauern blicke ich jetzt auf jene frühen Jahre unserer Ehe zurück, die ganz vom Kummer über die vergebliche Behandlung geprägt waren. Und ich wollte, ich hätte viel eher nein gesagt.

Wir hatten Ärzte aufgesucht, weil wir ein Kind wünschten und keins bekamen. Die einzige Antwort entsprach dem, was Ärzte eben gelernt haben: die medizinisch unterstützte Empfängnis. Aber es gibt einen eklatanten Widerspruch zwischen dem Wunsch, den der Arzt seinen Patientinnen unterstellt – Schwangerschaft – und dem, was das Paar sich wünscht – ein Kind.

Mein Mann und ich haben unsere Tochter Eva im Dezember 1987 adoptiert. Als sie schließlich bei uns war, änderte sich unser Leben von Grund auf; weg von jenem monatlichen Kreislauf zwischen Erwartung, Enttäuschung, Depression und allmählicher Entfremdung, hin zu neuer Lebensfreude. Nie, nie wieder IVF, tiefgefrorene Embryonen und all diese Therapien, die unser Leben vergiftet haben und uns von der einzig vernünftigen Möglichkeit abhielten: der Adoption.

Fünf Jahre lang hatte ich diese Möglichkeit als allerletzten Schritt betrachtet, als das Zeichen der Resignation. Ich hatte Angst davor – und keine Ahnung. Niemand in unserem Freundeskreis hatte Kinder adoptiert. Nirgendwo konnte ich beobachten, wie sich die Mutter-Kind-Beziehung nach einer Adoption entwickelt. Eva ist mein Kind, ich liebe sie sehr, und diese Liebe und unser Vertrautsein miteinander läßt mich oft denken, sie sei unsere leibliche Tochter.