Du kannst nicht immer 17 sein, nein, Liebling, das kannst du nicht“, singt Chris Roberts, 45 inzwischen, immer noch. Andererseits heißt es bei Friedrich Schiller, geb. aufs Jahr genau zweihundert Jahre vor dem Verfasser dieser Zeilen, daß man „für die Träume seiner Jugend soll Achtung tragen“. Ja, was denn nun?

Unsere Achtundsechziger, unsere roten Socken und Söckinnen der Siebziger – ich mag sie! Doch, doch, der Verf. mag sie ganz einfach. Jetzt werden sie älter, und einige, einige unter ihnen scheint allmählich ein schlechtes Gewissen zu plagen ob all des politischen Lotterdenkens ihrer frühen Jahre. Haben es aber auch getrieben! Sozialismus, Pazifismus, Kosmopolitismus – ei, da gab es Sächelchen ...

Solch Buß & Reu ginge denn ja auch ganz voll in Ordnung, wenn die armen G’wissenswürmer nicht etwas, das sie „Deutschland“ nennen, gleich noch mitpurgieren wollten. „Deutschland“, so steht da jetzt öfters zu lesen – gerade eben erst wieder bei Cora Stephan in der Süddeutschen Zeitung –, müsse endlich erwachsen werden; beziehungsweise mehr streng als ironisch mahnt die besorgte Autorin alle ab, die sich nicht „mit dem beschäftigen, was Deutschland ist und einmal werden soll, wenn es erwachsen ist“.

So ähnlich tantete und onkelte es schon während der seltsamen Golfkriegsdebatte im Februar. Am eindrucksvollsten übrigens in einem Radio-Essay (Gedanken zur Zeit im WDR/NDR, leicht entschäumt nachgedruckt im Merkur) von Jürgen Manthey, ein acht Progressiver auch er, einst in den Siebzigern, vor vielen hundert Jahren.

Ein Schreckensbild beschreibt er uns, ein Zeitungsphoto, das ihn besonders tief erschüttert hat: Auf der großen Adenauer-Skulptur vor dem Bundeskanzleramt in Bonn sitzt ein Junge und hält ein Schild hoch, auf dem nur ein Wort steht: „Nein“. Man stelle sich vor: auf dem großen Bronze-Kopf von Adenauer! Vor dem Bundeskanzleramt! Ein Jugendlicher mit einem Schild! Und dann: „Nein!“ Ekel schüttelt unseren Mann. Ekel vor einem „Deutschland“, das – „wie Hamlet“ (Manthey zitiert Freiligrath) – nicht erwachsen werden will (und schließlich auch noch weiße Tücher ausrollt, anstatt gen Bagdad zu marschieren).

Ekel. Doch könnte es sein, daß der Autor hier nicht „Deutschland“, sondern sich selber wiedertrifft: damals auf Adenauers Kopf, auf Erhards und Kiesingers Kopf, ein lautes „Nein“ skandierend? Das dumme Kind, das man gewesen ...

Ja, nur wer sich ändert, bleibt sich treu. Oder, wie Peter Handke es nannte, der immer am schnellsten die besten Überschriften zur Lage seiner Generation findet: „Langsame Heimkehr“.