Die Friedensgespräche wecken Hoffnungen bei Israelis und Palästinensern

Von Fredy Gsteiger

Jerusalem, im Dezember

Elias Freij, der Bürgermeister von Bethlehem, dreht und wendet eine Postkarte. Sie lädt ihn auf einen Empfang zum Tag der Deutschen Einheit nach Tel Aviv. Erhalten hat er sie eben erst, mit fast zweimonatiger Verspätung. "Die Israelis lassen sich viel Zeit – nicht nur bei der Postzustellung", bemerkt er bitter.

Der neue Generaldirektor im israelischen Außenministerium, Jossi Hadas, verbirgt seine Anspannung nicht: "Ich habe es eilig. Wir müssen schnell handeln, um den Impuls der Madrider Eröffnungskonferenz auszunützen." Mit weiter Geste weist er den Vorwuf zurück, Israel sei einmal mehr der Bremser im Friedensprozeß.

"Unser Anliegen ist dank den Gesprächen weltweit zu neuem Leben erweckt worden", meint Elias Freij. Nicht so im eigenen Land. Pünktlich zum Beginn der bilateralen Gespräche in Washington ebneten Ariel Scharons Bulldozer den Boden für neue jüdische Siedlerhäuser im Westjordanland. "Die Israelis schneiden damit tief ins Fleisch unserer Heimat – und damit auch in ihr eigenes. Wie sollen wir offen reden, wenn eine Zeitbombe unter unserem Bett tickt?"

Dabei gibt es Gründe zur Zuversicht. Vor der Geburtskirche in Bethlehem drängen sich neuerdings wieder Touristen. Kirche, Milchgrotte, Andenkenladen – dann, husch, husch, in die wartenden Busse: Eine Fahrt in die Geburtsstadt Jesu, nur zwanzig Minuten von Jerusalem entfernt, gilt immer noch als Abenteuer, ist aber nicht länger tabu. Unter den lauschigen Bäumen auf der Terrasse des Restaurants neben der Geburtskirche wird wieder bedient. Plötzlich zerreißt ein Schuß die Beschaulichkeit. Eine Polizeisirene heult auf. Ein schwedischer Reporter am Nachbartisch setzt eine Kurzmeldung ab. Intifada-Alltag, wie gehabt.