Wo es kein Bauland gibt, könnten bald schwimmende Hotels vor Anker gehen – ob in dichtbebauten Hafenstädten oder vor menschenleeren Inseln. Die Idee ist alt, jetzt gibt es ein Modell für eine solche Wasserherberge.

Auf einem 50 mal 50 Meter großen Ponton will Architekt Gerhard Heid aus Darmstadt 160 Doppelbetten unterbringen. Die Versorgungseinrichtungen sollen unter Wasser liegen, darüber türmen sich im Modell eine Etage in Höhe des Wasserspiegels sowie fünf Obergeschosse auf. Je höher gebaut wird, desto kleiner wird die Grundfläche. Das Ganze erinnert an eine Pyramide ohne Spitze.

Das „Marotel“, so heißt das Projekt, sei zwar ausschließlich für Lagen in geschützten Buchten oder Häfen konzipiert worden. Dennoch werde die Stahlkonstruktion so stabilisiert, daß der Hotelgast selbst 1,5 Meter hohe Wellen nicht spüre, meint Heid. Die gesamte Konzeption sei nach den Richtlinien des Passagierschiffbaus ausgearbeitet worden.

Wasser und Strom könnten vom Netz einer Stadt abgenommen werden. Wo dies nicht möglich ist, soll eine Schiffskläranlage das Abwasser reinigen, eine Aufbereitungsanlage für Trinkwasser sorgen und ein Aggregat Strom liefern. Die schwimmende Touristenburg wäre somit unabhängig.

In Größe und Ausstattung der Hotels will sich der Architekt ganz an den Bedürfnissen der Bauherren orientieren. So ließen sich nach seiner Darstellung leicht mehrere Einheiten miteinander verbinden, wodurch ein großflächiger Komplex entstünde, der überdies stabiler wäre als ein Einzelelement. Ein Jachthafen kann nach Heids Vorstellung entstehen, wenn mehrere Pontons mit Stegen verbunden werden. Für einen Liegeplatz in einer Stadt mit Raumnot sehen die Pläne ein schwimmendes Parkhaus vor, das durch einen befahrbaren Tunnel mit dem Land verbunden ist.

Seine Konzeption bezeichnet der Architekt als „technisch ausgereift“, man könne sofort anfangen zu bauen. Pro Doppelzimmer schätzt er die Kosten – je nach Ausstattung – auf 150 000 bis 250 000 Mark. Potentielle Investoren nennt er nicht, aber: „Wir interessieren uns sehr für die Türkei.“ Auch an der deutschen Ostsee könne er sich die Wasserhotels vorstellen. M.M.