Die Geschäftsreisenden sind noch immer die wichtigste Kundengruppe für die Deutsche Lufthansa. Deshalb hat das Unternehmen ein großzügiges Bonusmodell entwickelt, das besonders treue Kunden mit einem Preisnachlaß bis zu neun Prozent belohnt.

Anders als etwa die Luftverkehrsgesellschaften in den USA, bei denen Geschäftsreisende – inzwischen übrigens auch deutsche – beim Fliegen mit bestimmten Airlines, beim Wohnen in bestimmten Hotels oder bei der Nutzung bestimmter Mietwagen „Bonusmeilen“ sammeln können und dann, bei Erreichen vorher festgelegter Guthaben, Anrechte auf Freitickets erwerben, senkt das Lufthansa-Rabattprogramm die Reisekosten der Unternehmen; sofern sie mit Lufthansa fliegen, versteht sich.

Das neue Programm beginnt mit dem Jahreswechsel, einbezogen werden weltweit alle Umsätze in der First und Business Class. Maßgebend für die Rabatthöhe ist der Umsatz mit der Lufthansa, es zählen auch Teilstrecken oder innerdeutsche Zubringerflüge. Ermittelt wird dieser Umsatz über die Air Plus-Karte der Lufthansa-eigenen Kreditkartenorganisation. Das heißt: Nur Unternehmen, die ihre Tickets mit Air Plus bezahlen, erhalten den Rabatt.

Gewährt werden Ermäßigungen zwischen 2,5 und 9 Prozent. Um den niedrigsten Rabattsatz zu bekommen, muß das Unternehmen in einem Jahr Flugtickets im Wert zwischen 250 000 und 374 000 Mark mit einem Lufthansa-Anteil von 55 Prozent kaufen. Wird in dieser Umsatzgruppe ein Lufthansa-Anteil von 75 Prozent erzielt, so gewährt die Gesellschaft einen Rabatt von 5 Prozent. Den höchsten Rabattsatz von 9 Prozent erreichen Firmen, die bei einem Gesamtflugumsatz von mindestens 15 Millionen Mark mindestens 75 Prozent bei der Lufthansa buchen.

Das bedeutet, die Unternehmen müssen möglichst viel mit Lufthansa fliegen, um einen hohen Rabattsatz zu erzielen. Unter Umständen muß das bei den Reisebüros durchgesetzt werden, denn die bevorzugen jene Gesellschaften, die ihnen besonders günstige Konditionen einräumen. Und das muß nicht immer Lufthansa sein.

Außerdem muß jede Firma klären, ob es für sie besser ist, auch die innerdeutschen Umsätze mit in das Förderprogramm einfließen zu lassen, oder ob sich für sie weiter eine Teilnahme am Großkundenabonnement lohnt, daß ihnen auf nationalen Strecken bisher schon Rabatte gewährte.

Auch dieses Abo wurde im Zuge des neuen Programms modifiziert. Gab es bislang Rabattstaffeln von 5,7 und 9 Prozent, hat die Lufthansa für das neue Jahr den Höchstsatz gestrichen.

Mit ihrer neuen Initiative im Geschäftsreiseverkehr unternimmt erstmals eine Luftverkehrsgesellschaft den Versuch, den seit Jahren durch bilaterale Abmachungen und Mauscheleien gekennzeichneten Markt für alle Beteiligten überschaubarer zu machen. Allerdings bewegt sie sich dabei auf rechtlich schwankendem Boden. Denn immerhin gilt bis zum offiziellen Beginn des Gemeinsamen Marktes in Europa am 1. Januar 1993 noch immer das alte Tarifrecht, wonach alle Ticketpreise vom Bundesverkehrsministerium genehmigt werden müssen und Rabatte unzulässig sind. Dennoch ist die Gefahr eines Eingreifens gering. Schließlich sind es bis zum gemeinsamen Markt nur hoch zwölf Monate. Außerdem hätte der Bundesverkehrsminister viel zu tun, wollte er jeden Tarifverstoß verfolgen. Hans-Jürgen Klesse