Die Umsätze auf den deutschen Aktienmärkten haben einen in diesem Jahr noch nicht registrierten Tiefpunkt erreicht. Die Großanleger sind allenfalls noch mit Feineinstellungen beschäftigt; grundsätzlich hat die Mehrzahl von ihnen die Bücher von 1991 geschlossen. Auch von den Banken wird nicht mehr viel bewegt. Fast scheint es, als ginge die Börse in den Winterschlaf. Bei dieser Sachlage kann nicht überraschen, daß die Aktienkurse abbröckeln.

Gleichwohl gibt es noch eine Anzahl von Börsianern, die – wie in jedem Jahr – auf eine Jahresendrallye hoffen. Der eine oder andere Verwalter großer Vermögen mag dies auch wünschen, um seine Klientel doch noch eine Erfolgsbilanz vorlegen zu können. Dagegen stehen aber jene kühlen Rechner, die im Hinblick auf den per 1. Januar 1992 anstehenden Veranlagungstermin für die Vermögensteuer gar nicht so sehr an höheren Kursen interessiert sind.

Das scheint auch ein Grund zu sein, warum positive Nachrichten aus den Firmenzentralen in diesen Tagen ohne Auswirkung auf die Aktienkurse bleiben. Besonders deutlich zu merken war dies bei den Bankaktien. Alle größeren Institute haben inzwischen ihre in den ersten zehn Monaten dieses Jahres erwirtschafteten Ergebnisse veröffentlicht. Alle liegen sie in einem mehr oder weniger deutlichen Aufwärtstrend. Dennoch bewegten sich die Aktien der Geldhäuser – wenn überhaupt – nur wenig aufwärts. Obwohl alle Banken beteuern, für die der Sowjetunion gewährten Kredite ausreichend Wertberichtigungen vorgenommen zu haben, spielt die Risikofrage in allen Börsengesprächen eine wichtige Rolle. Und dies nicht nur bei den Bankaktien. Die unübersichtliche Lage in der ehemaligen Sowjetunion führt dazu, daß viele Anlageentscheidungen vorerst einmal zurückgestellt werden.

Unter diesen Umständen fallen Unternehmen mit steigenden Kursen natürlich besonders auf. Das gilt insbesondere für Conti, wo sich die Notiz in den letzten Tagen tendenziell aufwärts bewegt hat. Dies ist sicherlich nicht auf das für 1992 zu erwartende bessere Ergebnis zurückzuführen. Die Auswirkungen der mißglückten Übernahme von Conti durch Pirelli dürften hier die Hauptrolle spielen. Pirelli und Verbündete haben ihre Pakete zu Kursen erworben, die weit über den gegenwärtigen liegen. Jede Kursanhebung erspart ihnen also Abschreibungen.

Im Sturzflug bewegten sich in den letzten Tagen die Asko-Aktien. Hintergrund: Kursdebakel beim Zeitarbeitsunternehmen Adia, an dem Asko maßgeblich beteiligt ist. Die Degab, Analysegesellschaft der mit den Verhältnissen bei Asko bestens vertrauten Deutschen Bank, hat die Gewinnschätzungen deutlich herabgesetzt. K.W.