Frauen sind kein Problem für die Ökonomie. Ganz im Gegenteil: Die Probleme der Wirtschaft können gerade durch eine aktivere Rolle von Frauen gelöst werden. Sie sind eine Quelle des Reichtums, von der bisher – sowohl qualitativ als auch quantitativ – zu wenig profitiert wird.“

Wahre Worte. Was überrascht, ist denn auch weniger ihr Inhalt, sondern der Herausgeber: die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, kurz OECD. Anfang der Woche veröffentlichte sie einen Expertenbericht mit dem Titel: „Den Strukturwandel lenken – die Rolle der Frau“.

Für die Organisation war es der erste Bericht dieser Art. Sie widmet sich sonst eher dem Erstellen von Länderstudien und fundierten Statistiken. Aber Zahlen allein reichen nicht mehr: Der Strukturwandel müsse gefördert werden, meint OECD-Generalsekretär Jean-Claude Paye, „in ökonomischer, aber vor allem auch in sozialer Hinsicht“.

Frauen kommt dabei nach Meinung der OECD-Experten eine zentrale Rolle zu: Sie öffnen „das Fenster zur Zukunft“. Konkret: Die Widrigkeiten, denen Frauen in der westlichen Arbeitswelt begegnen, haben sie notgedrungen flexibel gemacht. Und genau diese Eigenschaft wird in der Wirtschaft künftig dringend gebraucht.

„Ein Handikap kann so zum Vorteil werden“, meint Maria de Lourdes Pintasilgo, die frühere Premierministerin Portugals und Mitautorin des Berichts – etwa weil Frauen eher gewohnt sind, ihre berufliche Karriere mal zu unterbrechen. „Mehr Frauen bedeutet also mehr Wohlstand für alle.“

Das sollten sich gerade auch die OECD-Oberen hinter die Ohren schreiben. Denn von den rund sechshundert höheren Angestellten der Organisation sind nur sechzig Frauen, also magere zehn Prozent. Damit liegen die Theoretiker kaum besser als die Praktiker in den Betrieben. Ein Mehr würde sicher auch dem hausinternen Strukturwandel nicht schaden. ls