Kundige deutsche Manager schätzen dieses Angebot in den USA schon lange: Anstatt in Hotels abzusteigen, wo der Preis für eine Übernachtung spielend die 200-Dollar-Grenze übersteigt, suchen sie in Detroit, Seattle, Salt Lake City oder Orlando nach dem Markennamen "Residence Inn by Marriott". Diese Häuser nämlich helfen, das Spesenkonto erheblich zu schonen. Denn für die "Residence-Inn"-Studios zahlen die Geschäftsreisenden pro Übernachtung nur zwischen 65 und 105 Dollar, ohne auf den gewohnten Wohn- und Schlafkomfort verzichten zu müssen.

Den ungewöhnlich günstigen Preis, der um so niedriger ist, je länger der Aufenthalt dauert, erkaufen sich die Gäste der amerikanischen Hotelkette "Marriott" allerdings mit dem Verzicht auf den in der internationalen Hotellerie üblichen Service. In den 175 "Residence Inns" in 41 US-Staaten gibt es keine Restaurants, Bars, Cafés oder den dienstbeflissenen Kellner, der auch nachts um drei Uhr noch Champagner serviert.

Statt dessen bieten sie zunächst Ungewohntes: eine komplett ausgestattete Küche, Mikrowellenherd inklusive, sowie weitläufige Wohnstudios, die fast alle einen offenen Kamin besitzen und um fünfzig Prozent größer als die Standardzimmer der normalen Hotels sind. Im Preis inbegriffen: Frühstück, Tageszeitung, Einkaufsservice, Pool- und Sportplatzbenutzung sowie die Snacks bei der allabendlichen familiären social hour. Sie zählt neben dem Preis zu den Erfolgsgeheimnissen der "Residence-Inn"-Kette, denn die zwanglose Plauderstunde schafft nicht nur privaten Kontakt zwischen den Gästen, sondern ist auch für neu zu knüpfende Geschäftsbeziehungen nicht zu unterschätzen.

Den privaten Charakter betonen außerdem die weitläufigen und oft parkähnlichen "Residence-Inn"-Anlagen, die in der Regel nur 120 Studios, Suiten und Penthouses in zweigeschossigen Häusern umfassen – mehr Wohnsiedlungen als traditionelle Hotelkomplexe. So wurde denn auch folgerichtig der Werbeslogan A home away from home für diese spezielle Art der Unterbringung gewählt.

Obwohl Reisende, die nur zwei oder drei Nächte buchen, nicht abgewiesen werden, sind die "Residence Inns" in erster Linie für Geschäftsreisende konzipiert, die Wochen oder sogar Monate auf die eigenen vier Wände verzichten müssen: Manager, die zur Fortbildung geschickt werden, an speziellen Projekten arbeiten oder den Aufbau einer Niederlassung ihrer Firma irgendwo in den USA überwachen. Für diese Klientel wären die Aufenthaltskosten in normalen Hotels mit dem Komfort der "Residence Inns" zu hoch.

Inzwischen stellen die Ausländer fünfzehn Prozent der "Residence-Inn"-Gäste, wobei die deutschen nach den Japanern den zweiten Platz einnehmen – und das, obwohl die Marriott-Marke bisher in Deutschland gar nicht angeboten wurde. Rufus Schriber, Marketing-Vizepräsident: "Die Mehrheit der Ausländer kennt unser Hotelprodukt nicht, weil es in ihren Ländern kein Äquivalent dafür gibt. Deswegen kommen die meisten ausländischen Gäste auf Empfehlungen ihrer amerikanischen Geschäftspartner zu uns." Jetzt können die Spar-Hotels auch in Deutschland unter der Nummer 0130-44 22 gebucht werden – von Geschäftsreisenden ebenso wie von preisbewußten Langzeiturlaubern. Rainer Schauer