Der Fortbestand des Studienkreises für Tourismus ist in Gefahr. Dabei würden sich alle Anstrengungen lohnen, diese angesehene Forschungsinstitut tion zu erhalten.

In den 25 Jahren seines Bestehens hat sich der Studienkreis für Tourismus in Starnberg als unabhängige Forschungseinrichtung hohes Ansehen in der Öffentlichkeit erworben und der Tourismusbranche fundierte Orientierungshilfen für die Entwicklung aktueller und langfristiger Fremdenverkehrskonzepte vermittelt.

Die im Studienkreis vertretenen unterschiedlichen kommerziellen und gesellschaftlichen Gruppen haben trotz oftmals divergierender Interessen bisher zur Wahrung seiner Neutralität beigetragen und die Bandbreite seiner Forschungsaufgaben sichergestellt. Zu den 180 Mitgliedern des als gemeinnützig anerkannten Vereins zählen neben Branchengrößen wie TUI, NUR und ADAC auch Verlage und Privatpersonen, Vertreter der Kirchen und der Naturfreunde. Neben der alljährlich veröffentlichten "Reiseanalyse", die offenlegt, wie viele Menschen wie lange wohin fahren, haben sich die Starnberger Forscher stets auch Problemen gewidmet, die – über den engen Branchenhorizont hinaus – von sozialer und politischer Bedeutung sind. Der Konsens der Mitglieder erwies sich jedoch von Zeit zu Zeit als recht dünnes Eis. Ob es dennoch hält, wird eine außerordentliche Mitgliederversammlung in dieser Woche zeigen.

Es geht um eine "Deckungslücke" im Haushalt von bisher nicht genau belegter Höhe, die jedoch, selbst wenn sich schlimmste Befürchtungen bewahrheiten sollten, angesichts finanzstarker Mitglieder und gemessen an deren Werbeetats nicht diskutabel erscheint.

Im Verhältnis zum Einfluß, den Touristikvertreter gelegentlich geltend zu machen versuchen, ist ihr Beitrag am Gesamtbudget gering: Er beträgt nur sechs Prozent. Weitere neunzehn Prozent kommen aus Zuschüssen der öffentlichen Hand. Zwei Drittel des Etats erwirtschaftet der Studienkreis selbst.

Das Argument, es gehe um finanzielle Probleme des Vereins, ist offensichtlich nur ein vorgeschoben nes. Vielmehr wird sich zeigen müssen, ob die immer wieder aufflackernde Begehrlichkeit einflußreicher Mitglieder, den Studienkreis stärker als unmittelbar zweckorientiertes Marketing-Instrument zu nutzen, abgewendet werden kann.

Zweifelsohne ist der Studienkreis reformbedürftig. Das hat auch eine Untersuchung des Consulting-Unternehmens "tourproject" ergeben, die seit Anfang dieses Jahres vorliegt. Würde konsequent nach den Vorschlägen dieses Planes verfahren, dann könnte der Studienkreis die jetzigen Schwierigkeiten durchaus überwinden.