Die amerikanische Wirtschaft auf Talfahrt: weniger Jobs, Druck auf den Dollar, wachsendes Haushaltsdefizit

Weniger als fünf von zehn Amerikanern, so ergab eine Umfrage in der vergangenen Woche, sind zufrieden mit der Arbeit ihres Präsidenten. In fast schon freiem Fall ist George Bushs Popularitätsrate in diesem Herbst aus stratosphärischen Höhen abgestürzt – ein Reflex auf die unter Amerikas Bürgern weitverbreitete Auffassung, daß im Weißen Haus in Washington zwar ein beachtlicher Weltenlenker sitzt, aber kein Mann, der auch das eigene Haus in Ordnung bringen kann. Statt einer neuen Weltordnung, so der Ratschlag eines schwarzen New Yorker Taxifahrers an die Adresse seines Präsidenten, solle Bush zunächst einmal eine „neue amerikanische Ordnung“ schaffen.

Bush aber hat auf die im Lande herrschende Unzufriedenheit bisher nur mit kosmetischen Reparaturmaßnahmen reagiert. Vorige Woche ersetzte der Präsident seinen unpopulären und arroganten chief of staff John Sununu durch den moderaten und erfolgreichen Verkehrsminister Samuel Skinner. Gleichzeitig ernannte er das Team, das ihn durch die Präsidentschafts-Wahlkampagne des kommenden Jahres führen soll. Auch die PR-Maschine im Weißen Haus läuft auf vollen Touren: In keiner Rede des Präsidenten fehlt neuerdings der Hinweis darauf, daß er wisse, wie sehr die Menschen in Amerika unter der wirtschaftlichen Talfahrt leiden.

Allein: Es fehlt an klaren Direktiven, um den Niedergang zu stoppen und einen Aufschwung anzukurbeln. Nur zwei Tage nach der Ablösung Sununus demonstrierten zwei Top-Ökonomen aus dem Lager Bushs, wie uneins die Administration über den besten Weg ist, die USA aus ihrer wirtschaftlichen Schwäche in eine langfristig stabile Zukunft zu führen. Der eine – Haushaltsdirektor Richard Darman – deutete an, daß das Weiße Haus einer umfassenden Steuersenkung zustimmen und damit das 1990 geschnürte Budgetpaket wieder aufs Spiel setzen könnte. Der andere, Finanzminister Nicholas Brady, signalisierte dagegen sein Veto gegenüber einem solchen Programm, das der Ökonomie zwar kurzfristig neuen Schub geben, gleichzeitig aber das täglich um eine Milliarde Dollar steigende Haushaltsdefizit weiter in die Höhe treiben würde.

Die öffentlich zur Schau gestellte Kontroverse bestätigt nur den herrschenden Eindruck, daß der außenpolitisch so sichere Präsident innenpolitisch kein klares Konzept hat. Amerikas Ökonomie kämpft derweil weiterhin mit ihrer Schwäche. Im November wurden 241 000 Beschäftigte entlassen – soviel wie seit März nicht mehr. Die Wachstumsrate des Bruttosozialprodukts im dritten Quartal sank von 2,4 auf 2 Prozent. Selbst einige positive Zeichen – mehr private Bauten beispielsweise – bedeuten noch kein Licht am Ende des Tunnels. Konjunkturexperten schätzen die Chance, daß die amerikanische Wirtschaft im Winter wieder ins Minus stürzt, inzwischen auf fünfzig zu fünfzig.

Eine weltwirtschaftliche Lokomotive, wie sie es noch nach der letzten großen Rezession 1983 waren, können die Vereinigten Staaten deshalb auf absehbare Zeit nicht mehr sein. Weil Washington seine miserable Finanzlage nicht frühzeitig in Ordnung gebracht hat, humpelt die schwache Konjunktur bislang allein am Krückstock der Federal Reserve. Erst vorige Woche senkte die Zentralbank den Tagesgeldsatz um ein weiteres Viertelprozent. Amerikas Zinsen sind inzwischen so niedrig wie seit Anfang der siebziger Jahre nicht mehr. Viel geholfen hat dies bisher allerdings nicht. Allein der Dollar reagierte ökonomisch rational auf die wachsenden Zinsdifferenzen zum Ausland – er sank.

George Bush dagegen besuchte einen Tag nach Thanksgiving, dem traditionellen Beginn der großen Weihnachtseinkäufe, das Kaufhaus J.C. Penney und erstand vier Paar Socken sowie einen Kinderanorak im Wert von 28 Dollar. Damit bekundete der Präsident, daß auch Amerikas Verbraucher der kranken Ökonomie zu helfen haben. Da hat Bush nicht unrecht: Zwei Drittel des wirtschaftlichen Wachstums entfallen in den USA auf Einkäufe der Konsumenten. Die aber sorgen sich derzeit weniger um Socken als um ihre Jobs.