Die Europäer haben viel erreicht – genug, um den Wandel im Osten zu verkraften ?

Von Dieter Buhl und Klaus-Peter Schmid

Maastricht, im Dezember

Sieger sehen anders aus. Nach über dreißig Sitzungsstunden fallen Gesten des Triumphs ohnehin schwer. In der Nacht zum Mittwoch bemühte sich Helmut Kohl auch gar nicht mehr um Posen. Als ob das Ergebnis für sich selber spreche, verliest er eine längliche Bilanz.

Auch wenn der Kanzler anschließend in die gewohnte Suada verfällt, vom Rad der Geschichte und vom Strom nach Europa spricht – das hart umkämpfte Vertragswerk von Maastricht läßt viele Fragen offen. Wo Gemeinsamkeit erst durch zwölf Interessen geteilt und dann mit zwölf Forderungen potenziert wird, gibt es nur selten eingängige Lösungen. Immerhin konnte Kohl eine konkrete Aktion der EG ankündigen. Ein Hilfsprogramm für die gebeutelten Menschen in der auseinanderfallenden Sowjetunion. Das war nach den Gipfelmühen wenigstens ein Anzeichen dafür, daß die Europäer rasch handeln können.

Kohls Auftritt markierte das Ende zweier Tage, in denen europäische Geschichte geschrieben werden sollte. Der Gipfel war mit vielen Erwartungen befrachtet worden. Den Durchbruch zu einer fester gefügten und mit zusätzlicher Macht ausgestatteten Gemeinschaft sollte er bringen. Von einer Umgestaltung war die Rede, wie sie Europa zuletzt nach den Entscheidungen von Jalta erlebt hat. Nicht zuletzt erwarteten viele Menschen im Osten Europas aus Maastricht Signale.

Doch die Gemeinschaft hatte in letzter Zeit keine gute Figur gemacht. Dem Krieg in Jugoslawien stand sie lange Zeit hilflos gegenüber, beim Ringen um die Neuordnung des Welthandels band sie sich immer wieder selber die Hände, und der neu aufbrechende Grundsatzstreit über die Zukunft des vereinigten Europas ließ Schlimmes befürchten. Trotzdem fehlte es nicht am Ansporn, den Sprung über die nationalen Schatten zu wagen.