Von Günter Heismann

Wohl kein ökologisches Problem bedarf so sehr der internationalen Zusammenarbeit wie der befürchtete Treibhauseffekt. Anders als andere Umweltschäden kann die Aufheizung des Weltklimas nicht im nationalen Alleingang bekämpft werden – jedes Land ist zugleich Täter und Opfer der Klimasünden anderer Nationen. Doch Einigkeit über die nötigen Maßnahmen zum Abbau der Treibhausgase, zuvorderst Kohlendioxid (CO2), ist in der Völkergemeinschaft so bald nicht zu erwarten.

Die Vereinigten Staaten erkennen nur zögerlich an, daß überhaupt Handlungsbedarf besteht. Die Europäische Gemeinschaft hält eine Stabilisierung der Schadstoffemissionen auf dem Niveau von 1990 für ausreichend. Die Bonner Regierung hingegen wollte eigentlich den CO2-Ausstoß bis zum Jahr 2005 um 25 bis 30 Prozent senken. Dem Weltklima-Panel IPCC, einem Zusammenschluß von 170 Klimaforschern unter der Ägide der Vereinten Nationen, wäre auch dies noch viel zuwenig: Um mindestens 60 Prozent müßten die Treibhausgase abgebaut werden, damit die drohende Warmzeit noch abgewendet werden kann.

In die Diskussion haben sich jetzt eine Reihe von Wirtschaftswissenschaftlern eingeschaltet. Sie versuchen zu ermitteln, welche Kosten die unterschiedlichen Ziele des Klimaschutzes weltweit verursachen werden, welche Maßnahmen den effizientesten Beitrag zur Stabilisierung der Atmosphäre versprechen und wie die Wirtschaft einzelner Länder und Regionen der Welt davon betroffen sein wird.

Als der Nationalökonom William D. Nordhaus von der amerikanischen Yale University der Frage nachging, wie teuer eine bestimmte Verminderung von Treibhausgasen ist, stieß er auf ein „überraschendes Ergebnis“: Eine mäßige Reduzierung der Klimagifte ist nahezu kostenfrei. Mit längst bekannter Technik kann der Kohlendioxidausstoß ohne wirtschaftliche Einbußen weltweit um zehn Prozent gesenkt werden: Die eingesparten Energiekosten machen die notwendigen Investitionen binnen kurzem wett.

Jenseits dieses bescheidenen Ziels steigen die gesamtwirtschaftlichen Kosten für Klimaschutz freilich steil an: Ein Abbau der Emissionen um 25 bis 30 Prozent (das Ziel der Bundesregierung) dürfte weltweit vierzig bis fünfzig Milliarden Dollar pro Jahr kosten. Sechzig Prozent weniger CO2-Ausstoß (die Mindestforderung des Weltklima-Panels) schlagen jährlich mit über 300 Milliarden Dollar zu Buche. Das entspricht gut einem Prozent des heutigen Weltsozialprodukts. Je stärker der Treibhauseffekt gebremst werden soll, desto teurer kommt jede vermiedene Megatonne an Kohlendioxid: Bei einer Reduktion von 25 Prozent kostet eine Tonne fünfzehn Dollar; bei einer Verringerung um sechzig Prozent mehr als das Vierfache, über sechzig Dollar.

Der Grund für diesen Kostenverlauf ist der gewaltige Aufwand für Umstellungen, die zu einem durchschlagenden Erfolg beim Klimaschutz führen. Der private Verkehr müßte drastisch beschränkt werden; energiefressenden Industriezweigen – Stahl, Aluminium, Glas, Zement – droht das Aus. Und alternative Energien, etwa die Solarenergie, sind beim Preis noch lange nicht wettbewerbsfähig mit Kohle, Öl oder Erdgas.