Nach dem Tode Robert Maxwells hatte der Daily Mirror, das einträgliche und auflagenstarke Massenblatt aus dem Maxwell-Imperium, für eine geraume Zeit seine Seiten mit zum Teil nur schwer erträglichen Lobhudeleien auf den verstorbenen Tycoon gefüllt.

Mittlerweile ist aus dem „Mann von beinahe mythologischer Statur“ (so Israels Präsident Chaim Herzog) ein Lügner und Betrüger geworden, der sich an der Pensionskasse des Mirror vergriff und in die Vorstandsetagen seines Zeitungskonzerns Mirror Group Newspaper Wanzen einbauen ließ.

Jetzt, wo die dunkle Epoche der Maxwell-Herrschaft vorüber ist und sein Imperium auseinanderbricht, gehen alle auf Distanz und waschen ihre Hände in Unschuld: Journalisten, Politiker, Bankiers, Topmanager. Sie hatten alle ihren Anteil an dem scheinbar unaufhaltsamen Aufstieg des Medienzaren in den achtziger Jahren.

Die Labour-Partei ist von dem Fall des Hauses Maxwell gleich doppelt betroffen: Sie muß es sich gefallen lassen, daß ihr die Freundschaft und politische Nähe Maxwells hämisch unter die Nase gerieben wird. Schlimmer noch, sie muß angesichts der ungewissen Zukunft des Daily Mirror ausgerechnet in den Monaten vor den nächsten Parlamentswahlen um ihre einzige publizistische Stütze bangen.

Maxwell hatte nach der Übernahme der Mirror-Gruppe das zweitgrößte Massenblatt des Landes zwar weidlich zur Selbstdarstellung genutzt. Über die Aktivitäten und Initiativen ihres Besitzers mußten die Blattmacher oft und ausführlich, wenn auch zähneknirschend, berichten.

Im großen und ganzen aber beließ Maxwell den Mirror auf seinem traditionellen Kurs. Das Blatt verstand sich stets als das Sprachrohr der „respektablen“ Arbeiterschaft. Es bemühte sich darum, die zu Beginn der Ära Thatcher weit nach links abgedriftete Labour-Partei zur Vernunft zu bringen und ihr Flausen wie den Austritt aus der EG oder einseitige Abrüstung auszutreiben.

Der Mirror verzichtete im Gegensatz zur rechts-populistischen Sun des Maxwell-Rivalen Rupert Murdoch auf nackte Busen und allzu reißerische Stories. Er machte der konservativen Regierung immer wieder das Leben schwer: mit Kampagnen gegen den Verfall des nationalen Gesundheitsdienstes, Obdachlosigkeit und heruntergekommene Schulen.