Mit der völkerrechtlichen Anerkennung eines neuen Staates ist es wie mit Weihnachtsgeschenken: Man soll sie nicht lange vorher ankündigen, sondern zum richtigen Zeitpunkt präsentieren. Diese Weisheit hat die Bundesregierung gleich doppelt in den Wind geschlagen, als sie dem kroatischen Präsidenten Tudjman schon im Sommer die Anerkennung seiner bedrängten Republik zusagte. Am kommenden Montag wird Außenminister Genscher, unterstützt von seinem italienischen Kollegen, die EG-Partner drängen, möglichst zahlreich mitzutun.

Wie dadurch allerdings das weitere Morden, Brennen und Sengen in Jugoslawien verhindert werden könnte, wissen auch die Bonner nicht. Die Vermittler der EG und der Vereinten Nationen, Lord Carrington und Cyrus Vance, haben sogar gewarnt, ein solcher Schritt würde die mageren Chancen für eine friedliche Lösung erst recht zerstören. Mag sein, daß die Mahnungen der Vermittler nur Ausdruck ihrer eigenen Hilflosigkeit sind. Die Anerkennung jedoch wäre auch nichts anderes.

Wenn Bonn sein Versprechen einlöst, ist dies im schlimmsten Fall Sabotage an mühseligen Verhandlungen, im besten Fall ein Akt folgenloser moralischer Empörung, den nur diejenigen als Politik ausgeben können, denen es ausreicht, ihre Hände in Unschuld zu waschen. –cb–