Dummpsch!

Seit Kriegsende trainiert britisches Militär in der Lüneburger Heide, in diesem Herbst soviel wie seit 1984 nicht: wrooaaammmm, tat-tat-tat-tattat-tat-tat, dummpsch! dummpsch! wwwwrrrooooaaammmmm, tat-tat-tat-tat! Diesen Lärm, das Öl im Naturschutzgebiet, die vielen tödlichen Verkehrsunfälle mit unbeleuchteten Panzern – all das haben die Leute gründlich satt. Nach der Auflösung des Ostblocks ist die Forderung, den „Heideterror“ (SPD-Bundestagsabgeordneter Arne Fuhrmann) zu beenden, immer lauter geworden. Doch was macht die Bundesregierung? Den Briten gestand sie im Oktober unbeschränkte Übungen noch bis Mitte 1994 zu. Dann soll das Soltau-Lüneburg-Abkommen, Vertragsgrundlage für die Manöver auf bewohntem Gebiet, ruhen – von Auflösung ist gar nicht die Rede. Jetzt hat London angekündigt: zwei Wochen zusätzliche Sommerferien nächstes Jahr! Vierzehn Tage von 365 sind 3,8 Prozent. Ist das die Friedensdividende?

Guck mal, wer da spricht

Von deutscher Seite wurde bekräftigt, es werde keinen Handel geben: kein Austausch der Hammadi-Brüder gegen die beiden Deutschen, die im Libanon als Geiseln gefangengehalten werden. Soweit, laut Washington Post, Berlins resolution“. Das Auge stolpert: Berlin? Nicht Bonn? Wer steckt hinter Berlins resoluten Beschlüssen? Hertha BSC? Das Kulturprojekt „Zunge“ im Prenzlauer Berg? Die Morgenländische Frauenmission in Friedenau? Kreuzberger Anarchisten? Harald Juhnke? Oder – adventlicher Gedanke! – weilt gar der Kanzler still und unerkannt in seiner künftigen Metropole und regiert heimlich mitten unter den Berlinern? Wie dem auch sei: Die Meldung der Washington Post scheint zu stimmen. Berlin hat nicht dementiert.

Immer anti

Die Unterschiede zwischen politischen Parteien und Sekten sind fließend: Je geschlossener Weltbild und Milieu der Mitglieder, um so intensiver das Gefühl, daß die Welt voller Teufel und Höllenhunde wär’. Am vergangenen Wochenende wurde in Frankfurt eine neue Partei gegründet – oder eine Sekte? „Ökologische Linke“ nennt sie sich; ihr bekanntestes Mitglied: Jutta Ditfurth. Die 63 Parteigründer können – unabhängig von ihrem Alter – zum „links-alternativen Asta-Milieu“ gezählt werden. Ihr Programm besteht aus „Antis“: antikapitalistisch, antispießbürgerlich, antiautoritär, antifaschistisch ... Das Böse lauert immer und überall. Der Teufel Wähler muß diese Partei jedoch nicht fürchten: Erhielte sie bei der Bundestagswahl 1994 fünfzig Prozent der Stimmen, würde aus Jutta Ditfurth trotzdem nicht die erste Bundeskanzlerin. Dem inneren Höllenhund mißtrauend, stimmten die Anwesenden der Parteigründung nur der Bedingung zu, daß die Ökologische Linke „niemals Regierungspartei“ werden dürfe.