Beim dritten Lichtlein ist es soweit. Die Katze wälzt sich glücklich vor der Nachtspeicherheizung, die lieben Kleinen lutschen selig an den Weihnachtskerzen, und er ist da: der Weihnachtsfreund im Menschen. An alles hat der gute Mensch gedacht. An das bunte Recyclingpapier, an die einpflanzbare Wurzelballen-Tanne, den fröhlichen Baumschmuck (Stroh, Salzteig, Wachsreste, gebrauchte Geschenkschleifen), an das Löschwasser im Eimer.

Oh, du schönes Fest! Still will der Weihnachtsfreund diesmal durch die stillen Gassen gehen, mit der Familie einen dampfenden Kräutertee kippen, beim klingenden Triangelspiel der Kinder endlich die Literaturbeilagen studieren, mit seinen lieben Kollegen und Kolleginnen in Ruhe Hechtklößchensuppe löffeln. Einmal alles vergessen! Den Haß, den Neid, das allgemeine Mißvergnügen. Einmal sollen in allen schwarzen Mörderhirnen besinnungslos die Friedensglöckchen läuten. Einmal wollen wir alle Nachbarn und ihre blöden Köter küssen und herzen. Einmal wollen wir die Worte des Kanzlers einfach glauben. Einmal soll alles, alles gut sein. Oh, gnadenbringende Weihnachtszeit.

Beim vierten Kerzchen ist es soweit. Der Weihnachtsfreund wird endlich wach. Verzückt drückt er den Nachbarsdackel so fest ans bebende Herz, daß diesem das Strickwämschen vom Leibe fällt. Selig lallend sabbert er auf seine charmanten Kolleginnen. Voll Inbrunst kocht er Glühwein aus den Kindern, macht er Kleinholz aus der Katze, schiebt er die Kerzen in die Friteuse. Von den Literaturbeilagen ganz zu schweigen.

Das ist, wie jeder ersehen kann, ein unhaltbarer Zustand. Doch leicht zu beheben. Denn nur wer sich verstellt, der fällt (alte Journalistenregel). Deshalb unser adventlicher Rat: Bleib, Mensch, was du bist, bevor es zu spät ist. Laß den Weihnachtsfreund im Sack. Tritt auf den Köter im Treppenhaus, wie gewohnt. Gifte deine Kollegen an, wie gehabt. Zieh deine Krallen nicht ein, bleib das alte Schwein. Mutiere nicht vom Pinscher zum Papst!

Die Vorteile liegen auf der Hand, seien aber restlos aufgezählt: unbekümmerter Verzehr aller weihnachtlichen Getränke, unbeschwerter Umgang mit den Haustieren, hygienische Kontakte mit der Kollegenschaft. Und frohe Weihnacht.

Finis