Von Shibley Telhami

ITHAKA, N.Y. – Wenn Araber und Israelis in den Friedensverhandlungen erst einmal mit ihren taktischen Manövern aufgehört haben, wird das Thema der jüdischen Besiedlung der besetzten Gebiete unweigerlich den ersten ernsthaften Streit zwischen ihnen auslösen. Die Araber werden ihre Forderung nach einer bedingungslosen Beendigung der israelischen Siedlungsaktivitäten damit begründen, daß die hektische Bautätigkeit die laufenden Verhandlungen beeinflußt und ein mögliches Ergebnis quasi von vornherein verhindert. Dem wird Israel entgegenhalten, die Forderung nach einer sofortigen Beendigung der Besiedlung bedeute eine Bedingung für die Gespräche, die doch ohne Vorbedingung geführt werden sollten.

Um diese Hürden vor einem möglichen Verhandlungserfolg zu überwinden, sollte ein Vorschlag erwogen werden, der kürzlich bei einem Treffen arabischer und israelischer Gelehrter in Moskau auf Zustimmung stieß; er war auch bereits vor zehn Jahren von den Vereinigten Staaten und Ägypten in Betracht gezogen worden.

Der Vorschlag verlangt die Einsetzung einer palästinensisch-israelischen Kommission, die so lange über jede weitere Nutzung des öffentlichen Grund und Bodens in den Gebieten entscheidet, bis eine Einigung über Einzelheiten des angestrebten Übergangs gefunden ist. Israelis und Palästinensern müßte bei einer solchen Lösung jeweils ein Vetorecht über alle Nutzungsvorhaben eingeräumt werden. Das würde die faktische Beendigung der weiteren Besiedlung ebenso zur Folge haben wie die Beschränkung von öffentlichen Bauvorhaben auf palästinensischer Seite.

Wie jedoch lassen sich Araber und Israelis für einen solchen Plan gewinnen?

Den Palästinensern würde ein De-facto-Stopp der jüdischen Besiedlung konzediert, selbst wenn er nur bedingt und begrenzt ist. Israel wiederum könnte seiner Bevölkerung diese Idee erheblich leichter vermitteln als die Forderung nach einer bedingungslosen Beendigung der Siedlungsaktivitäten. Außerdem könnte es damit argumentieren, daß auch den Palästinensern verwehrt würde, den öffentlichen Grund und Boden ohne Zustimmung des israelischen Lagers zu nutzen. Und was noch schwerer wiegt: Israel könnte die Möglichkeit einer neuerlichen Konfrontation mit Amerika vermeiden, bevor der Kongreß über Kreditgarantien an das Land in Höhe von zehn Milliarden Dollar berät.

Eine palästinensisch-israelische Kommission für die Siedlungsfragen würde auch die Atmosphäre bei den Gesprächen verbessern und die Aufmerksamkeit auf andere, mindestens ebenso wichtige Fragen lenken.