ZEIT: Herr Schlesinger, fühlen Sie sich als Totengräber der D-Mark?

Schlesinger: Nein. Abgesehen davon, daß unsere Rolle bei den letzten Verhandlungen begrenzt war: Der vorliegende Text für die Europäische Wirtschafts- und Währungsunion trägt stark die deutsche Handschrift. Es gibt nur einige wenige Punkte, bei denen wir uns eine etwas andere Formulierung gewünscht hätten.

ZEIT: Trotzdem haben viele Bürger Angst.

Schlesinger: Ich war immer der Meinung, es werde schwierig sein, der deutschen Bevölkerung klarzumachen, daß es eines Tages keine D-Mark mehr geben wird, sondern eine gemeinsame Währung. Leider ist diese Tatsache von denjenigen, die die Europäische Währungsunion vorangetrieben haben, der Bevölkerung bisher nicht genügend nahegebracht worden.

ZEIT: Könnte die Stimmung im Lande so schlecht werden, daß die Ratifizierung des Vertrages in Frage gestellt wird?

Schlesinger: Man kann die Stimmungen und ihre Wirkungen auf die Entscheidungen des Parlaments nicht genau vorhersehen. Aber wenn die Parlamentarier ihre bisherigen Bekenntnisse zu Europa nicht verleugnen, können sie eigentlich nicht dagegen sein. Man hört ja auch keine substantiellen Einwände gegen die Währungs- und Wirtschaftsunion, es sind eher untergründige Befürchtungen.

ZEIT: Was muß Ihrer Meinung nach getan werden, um den Wechsel von der D-Mark zur Ecu verständlich zu machen?