Die Konjunktur in Westdeutschland wird nun, nach einem Ausnahmejahr dank Wiedervereinigung, von der rauhen Wirklichkeit eingeholt. Noch wächst die Wirtschaft, doch die Zuwachsraten sinken merklich, der Konjunkturzug verliert spürbar an Fahrt. Ob dies nur eine ganz normale Beruhigung oder aber Vorzeichen für eine bedenkliche Abkühlung ist – darüber sind Politiker und Wissenschaftler sich noch nicht ganz schlüssig.

Bei den meisten allerdings überwiegt Optimismus. Von einer Verschnaufpause ist die Rede, die schon im kommenden Jahr wieder zu Ende sein wird. Als Stütze für die lahmende Binnenkonjunktur wird sich, davon ist das Hamburgische HWWA-Institut überzeugt, in den nächsten zwölf Monaten der Export erweisen.

Tatsächlich sind nach einem fast einjährigen Rückgang die Auftragseingänge aus dem Ausland seit einigen Monaten wieder gestiegen. Gleichzeitig ist die Einfuhr, die seit der Öffnung der Mauer sprunghaft nach oben geklettert war, gesunken. Die Folge: Die Handelsbilanz wird nicht, wie schon von einigen befürchtet, in die roten Zahlen geraten.

Ob die Auslandsorders allerdings in den nächsten Monaten ausreichend sein werden, die rückläufige Binnennachfrage zu kompensieren, ist noch nicht sicher. Denn längst noch ist offen, ob die vielfach beschriebene wirtschaftliche Erholung in den USA und Großbritannien wirklich eintreten wird.

Ohne die wäre die Bundesrepublik erstmals seit Jahren wohl ernsthaft mit der Gefahr einer Rezession konfrontiert. Zumindest dann, wenn die Bundesbank aus Sorge um die Preisstabilität die Zinsen weiterhin auf hohem Niveau festschreiben würde. mhf