Es ist ein erbärmliches Gefühl, vor dem Fernseher zu sitzen und tatenlos die Bilder sinnloser Zerstörung und zielloser Flüchtlingsströme ansehen zu müssen. Unerträglich sind aber auch die anklägerischen Tiraden im eigenen Lande. Die FAZ schrieb: „Westliche Staatsmänner, die den serbischen Krieg gegen Kroatien immer länger geschehen lassen...“; bei anderen heißt es: „Westeuropa ist Schuld, ist feige, entschlußlos“ – als könnte von außen Hilfe kommen.

Auch Horst Teltschik entrüstet sich, „liberale Publizisten“ stellten fest: Serben und Kroaten schlagen sich gegenseitig die Köpfe ein (die kroatischen Utaschas haben zwischen 1941 und 1945 Hunderttausende von Serben umgebracht); wenn sie ihren serbisch-kroatischen Haß nicht zügeln können, dann muß man sie eben lassen. Teltschiks Rüge: „Als ob damit irgendein Problem gelöst sei.“ Es handelte sich aber nicht um einen Lösungsvorschlag, sondern um eine Tatsachenbeschreibung.

Man ist gespannt, seine Lösung zu hören, doch die besteht nur aus einem Bündel von Fragen: „Liegt die Lösung solcher Nationalitätenkonflikte heute nicht bei der Europäischen Gemeinschaft? Sie soll eines Tages Grenzen überflüssig machen. Sie muß eines Tages...“ Soll dieses „eines Tages“ wirklich eine Lösung für das Heute sein? Mit Hoffnungen, Utopien und guten Absichten aktuelle Krisen lösen zu wollen – schön wär’s, wenn das ginge. Dff