Ich kann nicht länger schweigen. Bevor mich die Prosa von Praunheim in den Medien „explosiv“ enttarnt, trete ich die Flucht nach vorn an, denn ich bin den Lesern dieser Kolumne ein Bekenntnis schuldig. Unter der Wucht der Enthüllungsorgien haben Sie sich gewiß schon lange die Frage gestellt: Der auch? Ja, ich auch! Jawohl, ich bin heterosexuell!

So, nun ist es endlich heraus, und meine Leser wissen aus erster Hand, woran sie mit mir sind, und erfahren es nicht erst aus Bild oder der Bunten.

Es konnte ja nur noch eine Sache von Tagen sein, bis auch mich die Enttarnungswelle erfassen würde. Wenn man mich nicht bis zum ominösen Stichtag (1. Januar 1992) als IM des Ministeriums für Staatssicherheit enttarnen konnte, dann mußte man wenigstens mein Privatleben gründlich ausschnüffeln: Intime Briefe an eine gewisse Laura; ein- bis zweideutige Photos, die mich in den Armen einer rassigen Schönheit zeigen; belastende Aussagen von Zeugen, die mich als unverbesserlichen Frauenhelden denunzierten.

Das reicht durchaus, um mich an den Pranger zu stellen, von den obligatorischen Erpressungen ganz zu schweigen. Um so erleichterter bin ich, daß ich an dieser Stelle meinem zerrissenen Herzen Luft machen kann, denn mein heimliches, immer bedrohtes Doppelleben hing mir schon lange zum Halse heraus.

Durch diese öffentliche Beichte meiner fatalen Leidenschaft sind die trostlosen Zeiten hoffentlich endgültig vorbei, als ich immer auf der Suche nach verschwiegenen Treffs war, vorzugsweise Kinos, weil sich im Dunkeln gefahrloser munkeln läßt.

Wann meine unglückselige Neigung offenbar wurde? Schon als ich noch in den Kinderschuhen steckte. Bereits als Bub stellte ich nur Mädchen nach und interessierte mich auch später nur für Frauen, hatte immer nur Busen und Beine im Kopf. Aus Männern hingegen machte ich mir gar nichts.

Nun stehe ich mit meiner abartigen Veranlagung nicht allein, sondern bewege mich in bester Gesellschaft. Um Namen preiszugeben: Richard von Weizsäcker, Helmut Kohl, Rita Süssmuth, Oskar Lafontaine, lauter notorische, einschlägig bekannte Heterosexuelle. Nur wer selber ohne Sünde ist, der werfe auf uns den ersten Stein. Ansonsten wünschen wir uns zum Christfest Verständnis, Toleranz und ein bißchen Liebe ...