Von Robert Leicht und Christian Wernicke

ZEIT: Herr Gauck, vom 1. Januar an wird für die Arbeit Ihrer Behörde ein neues Gesetz gelten. Aber schon vorher ist sie ins Kreuzfeuer der Kritik geraten. Im „Fall Fink“ stellte sich die Frage, ob es nicht auch einen „Fall Gauck“ gäbe. Ihre Behörde gab einen Bescheid an eine andere Behörde weiter, den Ihr Haus anschließend korrigieren mußte. Sehen Sie die Gefahr, daß Sie nach dem 1. Januar immer mehr in eine bedenkliche Richterrolle geraten?

Gauck: Die ZEIT war es, die es geschafft hat, vor dem Neuen Deutschland einen Fall Gauck zu kreieren.

Im Fall Fink haben wir die Auskunft nicht in der Sache zurückgenommen, sondern erläutert und damit erhärtet.

Was ist die Aufgabe meiner Behörde in einem solchen Fall? Exakt mitzuteilen, was an Erkenntnissen aus Schriftstücken hier vorliegt, und darauf zu verzichten, eigene Meinungen und Einschätzungen den Erkenntnissen aus den Schriftstücken hinzuzufügen. Von der Rolle eines Richters kann ich bei solcher Betätigung nichts entdecken.

Befürchtungen habe ich gleichwohl viel. Wir haben in diesem Jahr allein für über 300 000 Personen Auskünfte zu erarbeiten. Ich glaube nicht, daß wir schon ein Drittel erledigt haben, mit den jetzt gut 800 Mitarbeitern in der Behörde, so daß wir mit einem erheblichen Überhang an Arbeit ins neue Jahr gehen werden, das dann eine drastische Erweiterung des Antragsvolumens bringt.

ZEIT: Im Bescheid Ihrer Behörde zum Fall Fink hat es ursprünglich – im Sinne eines abschließenden Urteils – geheißen, Fink „ist als Informeller Mitarbeiter tätig gewesen“. Wäre es nicht nötig gewesen zu formulieren: „ist nach unseren bisherigen Einschätzungen dringend verdächtig, Informeller Mitarbeiter gewesen zu sein“?