Der fromme Bischof Johannes und seine nicht mehr ganz so fromme Stadt Fulda

Von Klaus Pokatzky

Wie es überhaupt dazu kam, daß Fulda ein auserwählter Ort wurde, das läßt sich für Nachgeborene am besten in alten Episteln nachlesen: in Briefen, die Bonifatius, Apostel der Deutschen, selbst schrieb oder empfing.

Es war ein Waldgebiet da, in einer Einöde von ungeheurer Weltverlassenheit. Inmitten der Völker des Missionsgebietes, der Bewohner des Hessengaus, des Grabfeldes, des Saalegaus und der Wettereiba. Hierhin schickte der Heilige Bonifatius seinen Jünger Sturmi. Und Sturmi fand den verlassenen Platz im Tale des Flusses Fulda günstig gelegen, um frommen und gottesfürchtigen Männern eine Heimstatt zu bieten. Das war im Jahre des Herrn 744.

Dann kam Bonifatius selbst, der Apostel der Deutschen und Schutzpatron der Bierbrauer, Feilenhauer und Schneider, brachte eine Schar von Bauarbeitern mit und bestimmte im Einvernehmen mit den frommen Brüdern die Stelle, an der die Kirche zum Lobe des Herrn errichtet werden sollte. Denn hier wollte der heilige Mann dereinst seine letzte Ruhestätte finden. Und so geschah es auch, nachdem ihn die heidnischen Friesen am 5. Juni 754 mit dem Schwerte erschlagen hatten.

Und viele Äbte folgten Sturmi, dem heiligen, im Erlöserkloster am Ufer des Flusses Fulda. Eintausend Jahre später durften sie sich mit Billigung der römischen Heiligkeit Bischöfe nennen. Und jeder hatte seinen eigenen Charakter, bis auf den heutigen Tag, wo der 94. Nachfolger Sturmis die Reinheit des heiligen katholischen Glaubens bewahrt. Es waren dies ehrwürdige Priester, mit göttlicher Gelehrsamkeit ausgestattet. Nur einige wenige wurden von ihren Mönchen vertrieben, von benachbarten Raubrittern gemeuchelt oder getürangelt, begannen in fernen Gotteshäusern mit anderen Äbten und Bischöfen Raufhändel um die besten Plätze in der heiligen Messe oder pflanzten sich im Weibe fort.

Die Seelen in den Mauern Fuldas wuchsen von den 400 Mönchen Sturmis auf 55 981 Geschöpfe Gottes, darunter auch weibliche, bis ihnen 1983 ein ehrwürdiger Mann aus Rom gesandt ward, dessen Vita verblüffend brüderliche Gemeinsamkeiten mit dem Leben des heiligen Bonifatius aufweist: Bischof Johannes Dyba, Titular-Erzbischof von Neapolis in Proconsularis. Dr. jur. et jur. can.