Schämen sollten sich die Menschen, welche die Wunder der Wissenschaft und Technik gedankenlos hinnehmen und nicht mehr davon geistig erfaßt haben, als die Kuh von der Botanik der Pflanzen, die sie mit Wohlbehagen frißt.“ Mit diesen strengen Worten, die jedem Wissenschaftsjournalisten aus dem Herzen gesprochen sind, eröffnete Albert Einstein im August 1930 die Berliner Funkausstellung. Schämen muß sich auch Zweistein, weil er das Wunder der elektronischen Textverarbeitung gedankenlos hingenommen hatte, als er an seinem Computer die Logelei tippte, die vorige Woche im ZEITmagazin erschien.

Den Hohn, den ihm dies – verdientermaßen – einbrachte, würde er verhüllten Gesichtes still erdulden, enthielte nicht sein Unglück eine Warnung für die rapide zunehmende Zahl derjenigen, die ihre Schreibmaschine gegen den Computer eingetauscht haben: Vorsicht im Umgang mit technischen Bequemlichkeiten!

Solche bietet ein Textprogramm zuhauf, darunter den Trick, dank dessen sich in einem verfaßten Text blitzschnell eine bestimmte Passage aufspüren läßt. Das macht der Befehl „Suchen“. Nach dessen Aufruf wird ein für die Textstelle charakteristisches Wort getippt, dazu die Eingabetaste – flugs zeigt der Bildschirm die gesuchte Passage.

Ein schlichter Tastendruck erweitert das Suchkommando zu dem hilfreichen Korrekturbefehl „Ersetzen“. Der Schreiber, dem nach Vollendung seines Werkes einfällt, daß er stets „Technologie“ getippt hat, wo „Technik“ gemeint war, kann dies mit dem Ersetzbefehl rasch bereinigen. Der fragt zuerst das zu ersetzende Wort ab, sodann den Ersatz dafür; ein Druck auf die Eingabetaste, und der Text ist korrigiert.

Dieselbe Automatik läßt sich benutzen, wenn es gilt, ein häufig verwendetes, gleichwohl überflüssiges Wort aus dem Text zu entfernen. In dem Fall wird einfach kein Ersatzwort angegeben, die Floskel also durch nichts ersetzt.

Just dies wurde Zweistein beim Texten seiner Logelei zum Verhängnis. Suchen wollte er das Wort „nicht“; gedrückt hatte er aber versehentlich die Taste für die Variante „Ersetzen“, und weil er zwar „nicht“, jedoch kein Ersatzwort eingegeben hatte, verschwand das bis dahin dreimal im Text enthaltene „nicht“ ersatzlos. Übrig blieb logischer Unsinn, der jedoch dem Korrektor nicht auffiel, weil ein Satz, aus dem das Wort „nicht“ herausgestrichen worden ist, grammatisch intakt bleibt. Unsere Logler jedoch reagierten mit dem ganzen Spektrum von milder Zurechtweisung bis hin zu heller Empörung.

Gewiß, ein Unglück war es nicht, nur ein verdorbenes Spiel. Der gleiche Fehler aber könnte zum Beispiel in einem Handbuch für Reaktor-Betreiber oder in einer Anweisung für Fluglotsen katastrophale Folgen haben. „Das Risiko der Technik wächst mit seiner Komplexität“, befand der Kybernetiker Norbert Wiener, „darum muß sie zunehmend idiotensicher sein“, und er fügte hinzu: „Übrigens sind es gerade die Nicht-Idioten, die dieser Sicherheit bedürfen“ – Zweistein, den diese Ergänzung ein wenig tröstet, schließt sich der Forderung des großen Gelehrten an.

Zweistein